Bauen aktuell / Grundstücke: Stadt Aichtal

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Aichtal will in Baulücken Wohnraum schaffen

Artikel vom 11.04.2022

Aichtal will in Baulücken Wohnraum schaffen

Bürgermeister Sebastian Kurz appelliert in seinem Schreiben an Grundstückseigentümer, dazu beizutragen, den dringend benötigten Wohnraum in Aichtal zu schaffen und mitzuhelfen, dass baureife Grundstücke zum Wohnen genutzt werden.

Wohnraum ist in Aichtal und der Region nur noch schwer zu finden. Daher hat die Aichtaler Stadtverwaltung im vergangenen Jahr alle Baulücken erhoben. Das Ergebnis: fast 100 000 Quadratmeter Wohnbaufläche sind ungenutzt und liegen seit Jahren brach.

Dieses enorme Potenzial möchte die Stadt nutzen und hatte bereits vor einigen Monaten alle Eigentümer von Grundstücken angeschrieben, die einer sofortigen Bebauung zugeführt werden können. In dem Schreiben des Bürgermeisters war auch ein Fragebogen beigefügt, in dem die wesentlichen Beweggründe für das Brachliegen abgefragt wurden. Ebenfalls sollte im Rahmen der Umfrage ermittelt werden, unter welchen Voraussetzungen eine Vermarktung der Grundstücke in Betracht kommen würde. Die Rückmeldung war jedoch ernüchternd, denn nur zwei Grundstückseigentümer meldeten sich bei der Stadtverwaltung und gaben an, „unter Umständen über einen Verkauf nachzudenken“.

Für Bürgermeister Sebastian Kurz ist das keine zufriedenstellende Situation: „Viele junge Familien sind in unserer Stadt auf der Suche nach Baugrundstücken, um sich ein eigenes Heim zu errichten. Ich möchte diese Familien in unserer Stadt halten und ihnen hier ein Zuhause bieten.“ Das Angebot an Bauland ist laut dem Schultes denkbar knapp und so herrsche in Aichtal bereits heute ein ausgeprägter Mangel an Wohnraum. In Aichtal gibt es laut Auskunft der Stadtverwaltung innerorts 175 unbebaute Baugrundstücke in Privatbesitz, die eine Gesamtfläche von 99 681 Quadratmetern aufweisen. „In Aichtal schlummert sozusagen ein komplettes Wohngebiet“, erklärt Kurz.

Deshalb sollten künftige Baugebiete nur entwickelt werden, wenn alle Flächen in den Besitz der Stadt Aichtal oder einem von der Stadt beauftragten Erschließungsträger gebracht werden. Nur so könne über den Kaufvertrag eine Bauverpflichtung vereinbart werden, erklärt Kurz und nennt als Beispiel das neue Gewerbegebiet Südliche Riedwiesen. Dort besteht eine Bauverpflichtung von 36 Monaten.

Wie Tübingen als letztes Mittel zur Enteignung greifen möchte Aichtal nicht, so Kurz. Der Bürgermeister setze viel mehr auf die Einsicht der Eigentümer und sieht eine mögliche Lösung in Tiny Houses.

Tiny Houses haben viele Vorteile

In einem persönlichen Brief hat der Bürgermeister nun erneut alle Eigentümer angeschrieben und bittet darin eindringlich darum, die bebaubaren Grundstücke zum Kauf anzubieten oder selbst Wohnraum zu schaffen. Nur so hätte man auf lange Sicht die Chance mehr junge Menschen anzusiedeln.

Kurz zeigt gleich mehrere Möglichkeiten auf, wie Wohnraum geschaffen werden soll. Eigentümer können für sich selbst oder ihre Familie bauen, Sie können bauen und auf Dauer, oder bis sie Eigenbedarf haben, vermieten oder als dritte Option kann ein Grundstück Dritten oder auch der Stadt zum Kauf angeboten werden.

Die befristete Verpachtung zur Errichtung eines transportablen Hauses sei eine weitere Möglichkeit zum Ausgleich der Interessen, so Kurz. Viele Bürgerinnen und Bürger wollten ein sogenanntes Tiny House bauen und bewohnen. Darunter versteht man kleine Häuser zwischen 30 und 80 Quadratmeter Wohnfläche, die in aller Regel als fertige Module aufgebaut werden und leicht wieder abtransportiert werden können.

Die Eingriffe ins Grundstück sind marginal. Neben der ohnehin nötigen Erschließung mit Leitungen genügt meist ein Streifenfundament. Es gibt keinen Keller. Das Grundstück kann also mit minimalem Aufwand wieder freigemacht werden und steht dann für den Bau eines ganz normalen Hauses wieder voll zur Verfügung. Da das Tiny House transportabel ist, können Grundstückseigentümer einen zeitlich befristeten Pachtvertrag abschließen und darin festlegen, wann das Grundstück wieder geräumt werden muss.

Als Vorteil nennt Bürgermeister Kurz die Pacht, die Eigentümer dann einnehmen können, aber auch die Vermeidung einer deutlichen Verteuerung bei der Besteuerung von Leerstand von Baugrundstücken, welche mit der Grundsteuerreform kommen soll.