Aichtal sucht Unterstützung für das Hallenbad
Pressemitteilung (PDF-Dokument, 143,04 KB) der Stadt Aichtal vom 11.11.2025
Brief des Bürgermeisters an die Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Baden-Württemberg (PDF-Dokument, 96,37 KB) vom 11.11.2025
Brief des Bürgermeisters (PDF-Dokument, 148,63 KB) an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie die Gemeinderäte der Nachbarkommunen, deren Schulen das Gartenhallenbad in Aichtal-Neuenhaus nutzen vom 10.11.2025
Zukunft des Hallenbads – Fragen & Antworten (FAQ)
Wie viele Besucherinnen und Besucher nutzen das Hallenbad?
Im Jahr 2024 wurde das Hallenbad von insgesamt 20.056 Personen besucht. Davon entfielen 9.067 Besuche auf Schülerinnen und Schüler, die das Bad im Rahmen des Schulschwimmens nutzten. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 20.837 Besuche gezählt, darunter 8.422 Schülerinnen und Schüler.
Damit entfällt regelmäßig rund die Hälfte aller Badegäste auf das Schulschwimmen. Von den Schulnutzungen wiederum entfallen nur etwa 22 Prozent der Unterrichtsstunden auf die drei Aichtaler Grundschulen.
Diese Zahlen zeigen, dass das Hallenbad insbesondere für den Schwimmunterricht von großer Bedeutung ist, während die öffentliche Nutzung in den letzten Jahren auf einem konstanten, aber moderaten Niveau blieb.
Aus welchen Schulen kommen die Schülerinnen und Schüler zum Schulschwimmen?
Neckartenzlingen 7 Unterrichtsstunden / Woche
Bempflingen / Altdorf 2 Unterrichtsstunden / Woche
Großbettlingen 2 Unterrichtsstunden / Woche
Altenriet 1 Unterrichtsstunde / Woche
Neckartailfingen 1 Unterrichtsstunde / Woche
Schlaitdorf 1 Unterrichtsstunde / Woche (nur in einem Halbjahr)
Walddorfhäslach 1 Unterrichtsstunde / Woche
Summe auswärtige Gemeinden: 15 Unterrichtsstunden
Aichtal-Neuenhaus 1 Unterrichtsstunde / Woche
Aichtal-Aich 1 Unterrichtsstunde / Woche
Aichtal-Grötzingen 2 Unterrichtsstunde / Woche
Summe Aichtaler Grundschulen: 4 Unterrichtsstunden
Insgesamt ergibt sich daraus eine Nutzung von 18,5 Unterrichtsstunden pro Woche im Jahresmittel. Davon entfallen nur vier Unterrichtsstunden (rund 22 %) auf die drei Aichtaler Grundschulen und 14,5 Stunden (rund 78 %) auf Schulen aus den umliegenden Gemeinden.
Trotz dieser klaren Verteilung trägt die Stadt Aichtal bislang allein sämtliche Betriebs- und Investitionskosten, obwohl der überwiegende Teil der Nutzung durch auswärtige Schulen erfolgt. Das Gartenhallenbad ist damit faktisch eine regionale Bildungseinrichtung, deren Finanzierung jedoch allein aus dem Haushalt der Stadt Aichtal erfolgt.
Woher kommen die Besucherinnen und Besucher des Hallenbads?
Die statistische Auswertung des Jahres 2024 hat ergeben, dass das Hallenbad insgesamt 20.056 Besuche verzeichnete. Davon entfielen rund 45 Prozent auf Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Schulschwimmens. Nur etwa 22 Prozent dieser Schulnutzungen stammen von den Aichtaler Grundschulen, der überwiegende Teil von Schulen aus den Nachbarkommunen.
Auch im öffentlichen Badebetrieb kommt nur etwa ein Drittel der Gäste aus Aichtal selbst.
Insgesamt bedeutet das: Rund 72 Prozent aller Badegäste stammen nicht aus Aichtal.
Warum steht das Hallenbad überhaupt zur Diskussion?
Das Aichtaler Hallenbad ist in die Jahre gekommen. Technik, Gebäude und Energieeffizienz entsprechen nicht mehr heutigen Standards.
Schon der laufende Betrieb – ohne Berücksichtigung künftiger Investitionen – belastet den städtischen Haushalt erheblich.
Allein für Personal, Energie und Unterhalt entsteht ein jährliches Defizit von 505.701 Euro im Jahr 2024; für 2025 wird mit rund 612.287 Euro gerechnet.
Das Landratsamt Esslingen hat die Stadt Aichtal im Rahmen der Haushaltsaufsicht darauf hingewiesen, dass „dringend und mit Nachdruck geprüft werden muss, welche freiwilligen Aufwendungen reduziert oder gestrichen werden können, um die notwendigen Einsparungen von 2,85 Millionen Euro jährlich zu erreichen.“
Vor diesem Hintergrund prüft der Gemeinderat, ob eine Sanierung oder ein Weiterbetrieb des Hallenbads wirtschaftlich vertretbar ist – oder ob eine Schließung in Betracht gezogen werden muss.
Ist die Schließung bereits beschlossen?
Nein. Eine Schließung ist noch nicht beschlossen.
Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung befassen sich aktuell intensiv mit verschiedenen Handlungsoptionen.
Ziel ist es, auf Grundlage belastbarer Zahlen eine verantwortbare Entscheidung zu treffen.
Aufgrund der angespannten Haushaltslage und der deutlich steigenden Betriebskosten muss der Gemeinderat voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres über die Zukunft des Hallenbads entscheiden. Dabei sollen sowohl die finanzielle Machbarkeit als auch die Bedeutung des Bads für Schulen, Vereine und Bürgerinnen und Bürger sorgfältig abgewogen werden.
Welche Faktoren werden bei der Entscheidung berücksichtigt?
Die Entscheidung über die Zukunft des Hallenbads hängt von mehreren Aspekten ab. Zentral ist der technische Zustand des Gebäudes und der Technik, die in vielen Bereichen erneuerungsbedürftig sind. Ebenso spielen die finanzielle Tragbarkeit für den städtischen Haushalt und die Möglichkeit, Fördermittel von Bund, Land oder weiteren Partnern zu erhalten, eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus wird die Bedeutung des Hallenbads für Schulen, Vereine sowie Bürgerinnen und Bürger mit in die Abwägung einbezogen. Am Ende muss eine Lösung gefunden werden, die nicht nur funktional und sinnvoll ist, sondern für die Stadt Aichtal auch dauerhaft finanzierbar bleibt.
Wie hoch ist die jährliche Haushaltsbelastung?
Der laufende Betrieb des Hallenbads – also Personal-, Energie- und Unterhaltskosten – belastet den städtischen Haushalt erheblich.
Im Jahr 2024 beträgt das Defizit rund 505.700 Euro, für 2025 wird mit etwa 612.000 Euro gerechnet.
Diese Beträge beziehen sich auf den laufenden Betrieb und berücksichtigen noch keine Investitionen für eine mögliche Sanierung oder Modernisierung.
Welche Investitionen und Kosten stehen in den nächsten Jahren an?
In den kommenden Jahren sind umfangreiche Investitionen erforderlich, um den Betrieb des Hallenbads technisch und baulich abzusichern.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen die Erneuerung der Lüftungsanlage, die Sanierung der Duschen und Umkleiden, die Erneuerung der Heizungs-, Sanitär- und Elektroinstallationen, eine Flachdachsanierung sowie die Sanierung der Filtertechnik. In weiteren Schritten müssten zudem die Energieerzeugung, die Becken- und Fliesenbereiche, der Bistrobereich und Teile der Schwimmbadtechnik modernisiert werden.
Insgesamt ergibt sich daraus ein geschätzter Investitionsbedarf von rund 4,96 Millionen Euro bis 2030, einschließlich Nebenkosten, Planungsleistungen und Preissteigerung. Nicht außer Acht zu lassen ist, dass nach der Umsetzung solcher Maßnahmen Abschreibungen entstehen, die den Ergebnishaushalt der Stadt in den kommenden Jahren zusätzlich belasten würden.
Gibt es Förderprogramme oder Zuschüsse?
Die Stadt Aichtal hat sich intensiv mit möglichen Förderwegen für das Gartenhallenbad befasst. Im Austausch mit dem Regierungspräsidium Stuttgart sowie dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesenwurde bestätigt, dass derzeit weder auf Bundes- noch auf Landesebene eine realistische Förderoption für die einzelnen Maßnahmen in Aichtal besteht.
Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur (SKS) fördert ausschließlich Gesamtsanierungen, bei denen nachweislich die Effizienzstufe 85 erreicht wird. Einzelmaßnahmen oder Teilsanierungen, wie sie in Aichtal erforderlich wären, sind ausdrücklich nicht förderfähig. Damit wäre eine Förderung nur im Rahmen einer kompletten Generalsanierung möglich – ein Vorgehen, das für ein Hallenbad dieser Größe technisch und wirtschaftlich nicht darstellbar ist.
Auch auf Landesebene besteht keine realistische Förderkulisse. Im Rahmen der Kommunalen Sportstättenbauförderung (VwV Sportstätten) sind Schwimmhallen nicht zuwendungsfähig. Die vom Land angekündigten Sondermittel für Schwimmbäder werden bislang nur in Einzelfällen und ohne feste Förderlinievergeben; eine planbare Antragstellung ist daher nicht möglich.
Selbst wenn Fördermittel bewilligt würden, bleibt der kommunale Eigenanteil erheblich. Ein Beispiel liefert die Nachbarkommune Waldenbuch, die derzeit eine Generalsanierung ihres Hallenbads durchführt: Bei Investitionskosten von rund 14 Millionen Euro brutto erhält Waldenbuch 5,22 Millionen Euro an Fördermitteln – also etwa ein Drittel der Gesamtsumme. Trotz der Förderung muss die Stadt rund 9 Millionen Euro Eigenmittel aufbringen und zusätzlich jährliche Folgekosten aus Kredittilgung und -verzinsung von rund 543.000 Euro tragen.
Dieses Beispiel verdeutlicht, dass selbst bei Förderung eine erhebliche finanzielle Belastung für Kommunen bestehen bleibt.
Für Aichtal wäre eine vergleichbare Gesamtmaßnahme angesichts der Haushaltslage nicht tragbar. Die erforderlichen Investitionen und laufenden Defizite müssten vollständig aus dem städtischen Haushalt finanziert werden – was die Haushaltsstabilisierung der Stadt erheblich gefährden würde.
Was wäre eine mögliche Alternative?
Als realistische Alternative zum bestehenden Hallenbad prüft die Stadt Aichtal die Gründung eines interkommunalen Zweckverbands gemeinsam mit den umliegenden Gemeinden. Ziel wäre der Bau und gemeinsame Betrieb eines neuen Lehrschwimmbeckens, das die wichtigsten Funktionen des Schwimmunterrichts und Vereinstrainings abdeckt, aber deutlich geringere laufende Kosten verursacht als ein vollwertiges Hallenbad.
Ein solches Becken könnte tagsüber den Schulen für den Schwimmunterricht und abends sowie an Wochenenden der DLRG und den Vereinen zur Verfügung stehen. Durch die gemeinsame Finanzierung und Nutzung ließen sich Investitions- und Betriebskosten fair auf mehrere Kommunen verteilen.
Damit würden die finanziellen Belastungen einzelner Gemeinden – insbesondere der Stadt Aichtal – spürbar verringert.
Denn bislang trägt allein die Stadt Aichtal das jährliche Defizit des Hallenbads von über 500.000 Euro pro Jahr.
Ein gemeinsames Modell könnte diese Last auf mehrere Schultern verteilen und so die Schwimmausbildung dauerhaft sichern, ohne den städtischen Haushalt übermäßig zu belasten.
Könnte der Weiterbetrieb über Kredite oder neue Schulden finanziert werden?
Ohne Steuererhöhungen wäre der Weiterbetrieb des Hallenbads nur durch Kredite möglich. Das jährliche Defizit von derzeit über 500.000 Euro müsste vollständig durch neue Schulden gedeckt werden, da weder laufende Einnahmen noch Rücklagen ausreichen, um die laufenden Verluste zu kompensieren.
Eine solche Finanzierung würde die Verschuldung der Stadt Aichtal deutlich erhöhen und den Ergebnishaushalt über Jahre belasten.
Gleichzeitig würde sie den finanziellen Spielraum für andere wichtige Aufgaben – wie Schulen und Kinderbetreuung – erheblich einschränken.
Aus diesen Gründen bewertet die Stadtverwaltung einen kreditfinanzierten Weiterbetrieb als nicht verantwortbar.
Wie hoch ist der Zuschuss der Stadt pro Badegast?
Die Stadt Aichtal unterstützt den Betrieb des Hallenbads mit einem Zuschuss von rund 17,50 Euro pro Besucher. Dieser Betrag ergibt sich aus der Differenz zwischen den tatsächlichen Betriebs- und Unterhaltungskosten und den Eintrittseinnahmen.
Wie könnte eine Gegenfinanzierung aussehen?
Um allein den Weiterbetrieb des Hallenbads finanziell zu gewährleisten – ohne Sanierung oder größere Investitionen – wäre eine deutliche Steuererhöhung erforderlich.
Konkret müsste die Grundsteuer B um rund 39 % angehoben werden, um das jährliche Defizit auszugleichen.
Alternativ wäre auch eine Erhöhung der Gewerbesteuer denkbar.
Die Stadtverwaltung rät jedoch von solchen Maßnahmen ab, da damit die Allgemeinheit bzw. die örtlichen Unternehmen für das Defizit des Hallenbads aufkommen müssten.
Aus Sicht der Verwaltung sollten vielmehr auch die Nachbarkommunen, die vom Badbetrieb profitieren, in eine Lösung eingebunden werden – etwa im Rahmen eines gemeinsamen Zweckverbands mit geteilter finanzieller Verantwortung.
Blick in die Technik
Ein Blick hinter die Kulissen des Hallenbads zeigt, was im Alltag kaum sichtbar ist: Unter dem Becken verbirgt sich ein weit verzweigtes System aus Leitungen, Pumpen und Anlagen, die das Bad Tag für Tag am Laufen halten.
Nach vielen Betriebsjahren zeigen sich dort jedoch Spuren der Zeit. Manche Bereiche wirken auf den ersten Blick unscheinbar, verdeutlichen aber, wie komplex und wartungsintensiv der Betrieb eines Hallenbads ist.
Die Aufnahmen geben einen Eindruck davon, welche Herausforderungen die technische Infrastruktur mit sich bringt – und warum in den kommenden Jahren gezielte Erneuerungen und Instandsetzungen notwendig sind, um das Bad weiterhin sicher und zuverlässig betreiben zu können.


















