Aichtal sucht Unterstützung für Hallenbad
Aichtal sucht Unterstützung für Hallenbad
Einrichtung wird von 12 Schulen aus neun Kommunen für Schwimmunterricht genutzt – Gerechte Kostenverteilung angestrebt
Das Gartenhallenbad Aichtal-Neuenhaus steht vor einer ungewissen Zukunft. Seit Jahrzehnten ist es ein wichtiges Freizeitangebot und fester Bestandteil der Schwimmausbildung in der Region. Es wird von Schulen aus Aichtal und acht Nachbarkommunen genutzt. Bislang trägt die Stadt Aichtal die Kosten für den Betrieb weitgehend allein.
Angesichts der angespannten Finanzlage hat Bürgermeister Sebastian Kurz seine Nachbarkollegen und deren Gemeinderäte angeschrieben. In seinem Brief weist er darauf hin, dass das Hallenbad nur dann erhalten werden kann, wenn sich die kommunalen Nutzer künftig viel stärker an den Kosten für das Schulschwimmen beteiligen. Wie wichtig das Thema ist, zeigt eine Online-Petition der DLRG-Ortsgruppe. Über 2000 Menschen haben sich bislang für den Erhalt des Bades ausgesprochen. „Wir prüfen alle Möglichkeiten und tun was wir können, damit das Gartenhallenbad saniert werden und in Betrieb bleiben kann. Nach aktuellem Stand kann die Stadt Aichtal Sanierung und laufende Kosten aber nicht finanzieren“, sagt Bürgermeister Sebastian Kurz. Allein im laufenden Betrieb klafft eine Lücke von rund 600.000 Euro – jedes Jahr.
Nur 22 Prozent entfallen auf Aichtaler Schüler
Das Gartenhallenbad ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Region. Hier lernen Kinder aus Aichtal und den umliegenden Gemeinden das Schwimmen – eine Fähigkeit, die Leben retten kann. Auch die DLRG Ortsgruppe Aichtal und weitere Vereine nutzen das Bad regelmäßig für Schwimm- und Rettungsausbildung. Damit erfüllt es eine wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge, Bildung und Sicherheit, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht.
Im Schuljahr 2024/2025 nehmen Schulen aus insgesamt acht Nachbarkommunen regelmäßig am Schulschwimmen teil. Von durchschnittlich 18,5 Unterrichtsstunden pro Woche entfallen rund vier Stunden (etwa 22 Prozent) auf Aichtaler Schulen und 14,5 Stunden (rund 78 Prozent) auf Schulen aus den umliegenden Gemeinden.
Finanzierung bisher allein durch Aichtal
Bislang wird das Gartenhallenbad vollständig aus dem Haushalt der Stadt Aichtal finanziert. Rund die Hälfte des Badebetriebs entfällt auf den Schulschwimmunterricht. „Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Stadt Aichtal sachgerecht, den auf das Schulschwimmen entfallenden Teil des jährlichen Defizits – also rund 50 Prozent – anteilig auf die beteiligten Gemeinden zu verteilen“, schreibt Bürgermeister Sebastian Kurz in seinem Brief an die Nachbarkommunen.
Derzeit zahlen die Schulen 65 Euro pro Schulstunde. Diese Regelung wurde zuletzt vor zwei Jahren angepasst. Tatsächlich liegen die Kosten pro Stunde jedoch deutlich höher – je nach Jahr zwischen etwa 380 und 750 Euro. Eine faire Kostenverteilung sollte sich nach der tatsächlichen Nutzung durch die einzelnen Gemeinden richten. Auch die Stadt Aichtal würde sich mit dem Anteil ihrer eigenen Schulen beteiligen.
Angespannte Finanzlage der Stadt
Das Landratsamt Esslingen hat die Stadt Aichtal im Rahmen der Haushaltsprüfung auf eine kritische Finanzlage hingewiesen. Im Ergebnishaushalt ergibt sich bis 2029 ein kumuliertes Defizit von 17,1 Millionen Euro. Die Stadt ist verpflichtet, ein strenges Sparprogramm einzuleiten und freiwillige Leistungen zu überprüfen oder zu reduzieren. Der Gemeinderat wird daher in den kommenden Haushaltsberatungen darüber entscheiden, ob der Betrieb des Gartenhallenbads zum Ende des Schuljahres 2025/2026 eingestellt werden muss. Sollte eine Kostenbeteiligung der umliegenden Gemeinden vereinbart werden, wäre ein Weiterbetrieb über diesen Zeitpunkt hinaus grundsätzlich denkbar.
Mögliche Modelle und fehlende Förderung
Neben einer Kostenbeteiligung wäre auch die Gründung eines Zweckverbands eine Option, der ein Lehrschwimmbecken betreibt. Dadurch könnten die laufenden Kosten deutlich sinken, jedoch wären dafür ebenfalls hohe Investitionen erforderlich.
Förderprogramme für den laufenden Betrieb oder Teilsanierungen bestehen derzeit nicht. Wie hoch die Belastung selbst bei Förderung einer Generalsanierung ausfallen kann, zeigt das Beispiel Waldenbuch: Die Stadt saniert ab dem kommenden Jahr ihr Hallenbad für rund 14 Millionen Euro. Nach Abzug der Fördermittel von 5,22 Millionen Euro bleibt ein Eigenanteil von etwa 9 Millionen Euro. Hinzu kommen jährliche Folgekosten für Kredite von über 540 000 Euro.
Die finanziellen Herausforderungen sind für alle Kommunen sehr groß. „Ich glaube aber, dass wir dann die besten Lösungen finden, wenn wir gemeinsam vorgehen“, erklärt Bürgermeister Kurz. Auch wenn der Gemeinderat grundsätzlich beschließen sollte, dass das Bad geschlossen werden muss, bleibt noch bis August 2026 Zeit für die Suche nach Lösungen.
Weitere Informationen und ein FaQ zum Thema finden Sie hier: Aktuelles zum Hallenbad










