Städte Nürtingen und Aichtal kritisieren Verkehrsführung bei Tunnelbaustelle in Neckartailfingen
icon.crdate23.07.2025
Das Regierungspräsidium Stuttgart plant ab August eine monatelange Umleitung des B297-Verkehrs über Aichtal und Nürtingen – mit bis zu 6.000 zusätzlichen Fahrzeugen täglich. Die Städte wurden darüber erst sehr spät informiert. Bürgermeister Sebastian Kurz und Oberbürgermeister Johannes Fridrich fordern in einer gemeinsamen Stellungnahme nicht nur Transparenz, sondern auch konkrete Verbesserungen bei der Verkehrsführung.
Städte Nürtingen und Aichtal kritisieren Verkehrsführung bei Tunnelbaustelle in Neckartailfingen
Fridrich und Kurz schlagen Alternativen zur geplanten Verkehrsführung vor
Nürtingen / Aichtal, 22. Juli 2025 – Das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) wird ab August den Hochwasserschutz in Neckartailfingen verbessern. Der Verkehr aus Richtung Tübingen soll mehrere Monate lang über Nürtingen und Aichtal geleitet werden. Beide Kommunen blicken nicht nur mit großer Sorge auf die dadurch zu erwartenden erheblichen Verkehrsbehinderungen, sondern sind auch äußerst verwundert über das Vorgehen der Behörde.
„Es ist unverständlich, dass ein vollständiger Umleitungsplan bereits im Februar beim Regierungspräsidium vorlag, wir als betroffene Stadt aber erst Mitte Juli auf gezielte Nachfrage davon erfahren haben. Das ist kein partnerschaftliches Verwaltungshandeln, das ist ein Informationsversäumnis mit Ansage“, äußerte sich Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz.
„Mit dieser kurzfristigen Ankündigung werden wir vor vollendete Tatsachen und angesichts der drohenden Auswirkungen vor enorme Herausforderungen gestellt – dies ist so nicht akzeptabel“, ergänzt Nürtingens Oberbürgermeister Dr. Johannes Fridrich.
Die geplante Umleitung soll laut RPS nahezu vollständig durch die Stadtteile Aich, Grötzingen und Oberensingen über Straßen führen, die bereits heute stark ausgelastet sind. Laut Bürgermeister Kurz ist mit mindestens 6.000 Fahrzeugen zusätzlich zu rechnen, was einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens in Aichtal entspricht. In Nürtingen-Oberensingen wird zu Stoßzeiten ein massiver Rückstau bis nach Grötzingen befürchtet. Für Infrastruktur und Anwohner ist das schlicht nicht verkraftbar“, sind sich Kurz und Fridrich einig.
Besonders kritisch sei die Situation am Feuerwehrhaus im Stadtteil Aich, das direkt an der vorgesehenen Umleitungsstrecke liegt. „Das größte Problem ist nicht die Ausfahrt der Einsatzfahrzeuge, sondern das Anrücken unserer Rettungskräfte, die im Alarmfall mit dem Privat-Pkw kommen müssen. Wenn die Straßen dicht sind, kommen sie schlicht nicht durch. Damit ist die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist akut in Gefahr“, warnt Kurz.
In Nürtingens Stadtteil Oberensingen ist die Situation an der Kreuzung Grötzinger Straße / Stuttgarter Straße bereits heute angespannt. „Selbst bei Ausreizung jedes noch so kleinen Puffers in den Ampelschaltungen droht ein Verkehrsinfarkt“, gibt OB Fridrich zu bedenken. Dies habe auch negative Auswirkungen auf den ÖPNV und damit auf zahlreiche Pendler wie auch auf Schülerinnen und Schüler.
Für Irritation in den beiden Rathäusern sorgt zudem, dass in der Pressemitteilung des Regierungspräsidiums von einer Bauzeit von rund fünf Monaten die Rede ist, während dem Landratsamt ein Antrag auf verkehrsrechtliche Anordnung bis Ende Mai 2026 vorliegt – also für einen Zeitraum von rund neun Monaten.
Nürtingen und Aichtal fordern daher Nachbesserung in Form einer alternativen Verkehrsführung, die für alle betroffenen Kommunen vertretbar ist. Dies könne die bereits befahrbare alte Ortsdurchfahrt Neckartailfingen über die Tübinger Straße und Nürtinger Straße sein. „Die Strecke ist vorhanden, technisch geeignet und könnte zumindest einen Teil des Umleitungsverkehrs aufnehmen“, so die Rathauschefs. Die Nürtinger Straße sei breit genug ausgebaut, um den Umleitungsverkehr in einer Hauptrichtung aufzunehmen. Dazu müsse lediglich das Parken für die Zeit der Umleitung unterbunden und an einer Engstelle eine abhängig von der Verkehrsmenge gesteuerte Lichtsignalanlage eingerichtet werden.
Bürgermeister Sebastian Kurz plädiert zudem für eine weiträumige Umleitung des Schwerlastverkehrs über die B312, B27 und A8. Ortsdurchfahrten wie in Aich oder Grötzingen seien dafür weder gebaut noch geeignet. Darüber hinaus fordert er eine temporären Ampelregelung direkt an der Baustelle am Tunnelportal in Neckartailfingen, um den Verkehr abschnittsweise wechselweise an dem Baufeld vorbeizuführen: „Solche Lösungen wurden andernorts – etwa bei der Hochwasserschutzmaßnahme in Neckartenzlingen – erfolgreich umgesetzt.
„Der Hochwasserschutz in Neckartailfingen ist angesichts zunehmender Extremwetterlagen unbestreitbar wichtig. Da die Gemeinde Neckartailfingen aber letztlich sowohl von der Ortsumfahrung auf der B 297 als auch von den Hochwasserschutzmaßnahmen erheblich profitiert, halten wir es für angemessen, dass der Umleitungsverkehr in einer Fahrtrichtung für die Zeit der Bauarbeiten durch den Ortskern umgeleitet und nicht einseitig auf die Umlandkommunen verlagert wird“, erklären Kurz und Fridrich unisono.
Pressemitteilung (PDF-Dokument, 454,67 KB)
Offizielle Stellungnahme der Stadt Aichtal an das Landratsamt Esslingen (PDF-Dokument, 349,14 KB)










