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Anlieger des Bombachs aus Aichtal-Aich informieren sich in Filderstadt über die Einrichtungen der Stadtentwässerung

icon.crdate03.06.2022

Anlieger des Bombachs aus Aichtal-Aich informieren sich in Filderstadt über die Einrichtungen der Stadtentwässerung

Warum hat sich das Abflussverhalten des Bombachs in den letzten Jahren so verändert und welche Rolle spielt dabei das Regenüberlaufbecken in Filderstadt–Bonlanden? Dieser Fragestellung ging eine Gruppe von interessierten Eigentümern von Wohngrundstücken nach, die direkt an den Bombach angrenzen. Auf Einladung des Tiefbauamtes der Stadt Filderstadt trafen sich die Teilnehmer Anfang Mai zusammen mit Bürgermeister Sebastian Kurz und Stadtbaumeister Matthias Hirn mit dem Leiter des Tiefbauamtes Filderstadt, Herrn Norbert Branz, am RÜB Brühl in Filderstadt-Bonlanden.

Das Regenüberlaufbecken befindet sich direkt am Oberlauf des Bombachs unterhalb von Filderstadt–Bonlanden und vor dem Klärwerk Bonlanden. In dieser Kläranlage wird das im Siedlungsbereich anfallende Mischwasser der Stadtteile Bonlanden und Plattenhardt behandelt. Die Anlage ist auf eine Zulaufmenge von 222 Litern/Sekunde ausgelegt. Wird durch ein Niederschlagsereignis, das den Bemessungsfall übersteigt, diese Abflussmenge überschritten, muss die Kanalisation entlastet werden. Hierfür bietet das RÜB Brühl ein Rückhaltevolumen von über 25.000.000 Liter bereit. In den beiden Kammern wird hauptsächlich der erste Schmutzstoß zurückgehalten, der die Stoffe beinhaltet, die sich in abflussschwachen Zeiten in der Kanalisation ablagern. Ist dieses Volumen ausgeschöpft muss das nachfließende, annähernd reine Wasser der Kanalisation in die Vorflut, das Fließgewässer Bombach, abgeschlagen werden. Für dieses Wasser steht ein weiteres offenes Rückhaltebecken mit einem Volumen von nahezu 2.000.000 Litern zwischen dem RÜB Brühl und dem Bombach zur Verfügung, das zunächst geflutet wird, bevor das Wasser in den Bombach fließt.

Warum kam es in der Vergangenheit mehrfach zu einer Flutwelle in Aichtal–Aich, wurde aus den Reihen der Besucher die Frage gestellt? Darüber hinaus wird von den Anliegern zunehmend festgestellt, dass der Wasserpegel des Bombachs deutlich steigt, obwohl das Regenereignis längst abgezogen ist. Dass die Ursachen hierfür nicht in den Einrichtungen der Filderstädter Kanalisation zu suchen sind, konnte im Rahmen des Vor-Ort-Termins abschließend festgestellt werden. Ein Schieber, der geöffnet wird, wenn die Wassermenge zu groß wird, konnte auf jeden Fall nicht gefunden werden. Vielmehr zeigen sich auch im Abflussverhalten des Bombachs die Folgen des geänderten Klimas und die Zunahme von außergewöhnlichen oder extremen Regenereignissen. Die enormen Regenmengen, die in kurzer Zeit niedergehen, können weder von technischen Einrichtungen noch von den anstehenden Böden zurückgehalten werden. Durch das doch große Einzugsgebiets des Bombachs führen diese Wassermengen zu einem großen hydraulischen Stress des eigentlich kleinen Gewässers. Das auffällige Verhalten des Bachs rührt daher, dass zum Beispiel ein Regenereignis in Filderstadt–Plattenhardt erst mit deutlicher Verzögerung in Aichtal–Aich ankommt.

Zur Planung und Bemessung der Kanalisation verfügt Filderstadt wie auch Aichtal über einen sogenannten allgemeinen Kanalisationsplan (AKP). In diesem Planwerk sind bereits sämtliche Siedlungs- und Gewerbeflächen berücksichtigt, die durch den Flächennutzungsplan - auch zukünftig - möglich sind. Zusätzliche Bauflächen und das damit verbundene Abwasser, das der Kanalisation zugeführt wird, ist also bei der Bemessung der Anlagen bereits heute berücksichtigt. 

Der Schwerpunkt der Risikovorsorge vor Starkregenereignissen muss bei der individuellen Betrachtung der Risikofaktoren auf dem eigenen Grundstück liegen. Hier sind sich die Fachleute aus den beiden Städten einig. Wichtige Werkzeuge für diese Einschätzung sind die Starkregengefahrenkarten, die sowohl in Filderstadt als auch in Aichtal öffentlich zugänglich sind. Bauliche Maßnahmen des Hochwasserschutzes, die durch die öffentliche Hand ausgeführt werden, machen nur dann Sinn, wenn die technische Wirkung nachgewiesen ist und dauerhaft dafür gesorgt wird, dass das Schadenspotential großflächig minimiert wird.

Bei sämtlichen Planungen der Stadtentwicklung darf das Thema Starkregen aber nicht mehr ignoriert werden. Bei diesen Planungen sind die Beteiligten aufgefordert, entsprechende Maßnahmen vorzusehen, um das anfallende Oberflächenwasser erst gar nicht einem kritischen Abflussweg zuzuführen.

Auch wenn nicht alle Sorgen und Befürchtungen an diesem Tag aus der Welt geräumt werden konnten, fühlten sich die Beteiligten ernst genommen und gut informiert. Aus den geführten Dialogen konnten sich die Vertreter der Stadtverwaltung Aichtal darüber hinaus ein gutes Meinungsbild über die zahlreichen Problemstellungen in Verbindung mit Starkregen machen.