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Stadt Aichtal (Druckversion)

Rückschau

Wer hat Angst vor Hotzenplotz?

(tab) Dicht an dicht gedrängt saßen die Mädchen und Jungen am Freitagnachmittag auf ihren Sitzkissen in der Stadtbücherei Aichtal, kein Platz war mehr frei. Alle sind sie gekommen, um Otfried Preußlers Klassiker „Räuber Hotzenplotz“ zu sehen und warteten ganz gespannt bis sich der Vorhang vom Figurentheater Topolino hob. Schließlich möchten sie alle miterleben, wie aus dem gefürchteten Räuber ein ehrlicher Mensch wird. Diesmal geht es um die Fortsetzungsgeschichte des bei den Kindern beliebten Gauners, genauer, um den dritten Band und die Geschichte: „Wer hat Angst vor Hotzenplotz?“.
Frisch, wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen, versetzt der gefürchtete Räuber Großmutter in Angst und Schrecken, so sehr, dass sie ihn mit List in ihr Haus lockt und dort gefangen hält. Dem herbeigerufenen Wachtmeister Dimpfelmoser bleibt allerdings nichts anderes übrig als Hotzenplotz wieder auf freien Fuß zu setzen, als er die Entlassungspapiere sieht. Kann ein eingefleischter Gauner seinen Räuberhut einfach so an den Nagel hängen und ein ehrlicher Mensch werden? Die Skepsis bleibt, nicht nur beim Wachtmeister auch bei Kasperl und Seppel, denn ist nicht Großmutters größter Kürbis verschwunden, genauso wie Frau Schlotterbecks Glaskugel mit der sie den Ganoven überwachen soll?
Den Fall gilt es aufzuklären, genauso wie Wasti, das Krokodil, wieder zurück in einen Hund zu verwandeln. Begeistert verfolgen die Kleinen jedes Detail der Geschichte, sind fasziniert von den liebevoll gestalteten Puppen und dem Bühnenbild und werden mit einigen tollen Spezialeffekten in den Bann gezogen. So funkelt und leuchtet es als Frau Schlotterbeck ihre Glaskugel zu Rate zieht, bevor diese unerklärlich verschwand. Genauso effektvoll wird auch Wasti wieder zum Hund zurückverwandelt, ganz ohne Computeranimation und -Technik, nur mit fantasievoll umgesetzten Glitter-Effekten. Für die Computer-Kids dennoch ein beeindruckendes Erlebnis. Auch wenn viele der Jungen und Mädchen die Abenteuer fast auswendig kennen, fiebern sie trotzdem gespannt mit, wie das Puppentheater Topolino die Geschichte umgesetzt hat. Die Augen der Mädchen und Jungen leuchten, sie interagieren mit den Puppenspielern Sabine und Andreas, nicht nur, wenn sie gefragt werden und freuen sich zum Schluss mit, dass es Hotzenplotz gelingt, alle von seiner Unschuld zu überzeugen, denn für das Verschwinden von Kürbis und Glaskugel zeichnet sich Wasti verantwortlich. Damit steht Hotzenplotz als künftigen Wirthausbetreiber „zur Räuberhöhle“ nichts mehr im Wege, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Vor mehr als 33 Jahre gründete Andreas Blersch zusammen mit seiner Frau Brigitte das Neu-Ulmer Puppentheater Topolino. Es war ihre Begeisterung zu den Marionetten, die sie diesen Schritt gehen ließ und diese Begeisterung merkt man Andreas Blersch nach wie vor an. Die meisten der Figuren sind von ihnen handgefertigt, genauso wie die Bühnenbilder. Bereits Generationen von Kindern wurden mit ihren Geschichten verzaubert und entdeckten dabei ihre Liebe zum Marionetten-Theater. 2018 traf Blersch ein hartes Schicksal. Seine geliebte Frau verstarb nach schwerer Krankheit. Keine leichte Zeit für den passionierten Puppenspieler und die Zukunft von Topolino war lange Zeit ungewiss. Doch er entschloss sich weiterzumachen, nicht zuletzt, um das gemeinsame Lebenswerk weiterzuführen. Die leuchtenden Kinderaugen, zeigen ihm dabei, dass es die richtige Entscheidung ist.

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