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Die zweite Maus bekommt den Käse

Olaf Bossi analysiert augenzwinkernd
Olaf Bossi analysiert augenzwinkernd


Geschichten aus dem Alltag für ein entspanntes Harmonieverhältnis

Olaf Bossi zu Gast in der Stadtbücherei Aichtal mit seinem Programm "Harmoniesüchtig"

(tab) Geschichten aus dem wahren Leben, nicht geschönt, sondern humorvoll erzählt oder gesungen, so wie das Leben wirklich ist. In diesen Genuss kamen die Besucher der Stadtbücherei Aichtal am Samstagabend.
Dort war Olaf Bossi zu Gast, Liedermacher und Kabarettist, aber auch einer der erfolgreichsten Texter und Komponisten in Deutschland. Die Älteren im Publikum kennen ihn vielleicht noch aus der Zeit, als er in den 90er Jahren ein Teil von „Modul“ war und mit „Kleine Maus“ und „Computerliebe“ Erfolge in den deutschen Top 5 feierte. Zwischenzeitlich schreibt er Texte nicht nur für Maite Kelly, sondern auch für Beatrice Egli und andere deutsche Schlagergrößen und hat die Erkennungsmelodie von SWR3 komponiert.
Als Ausgleich dafür, tritt er regelmäßig auf der Bühne auf und lässt sein Publikum an Geschichten aus seinem Leben teilhaben. Die hat er entweder zu Songs verarbeitet oder als Comedy, denn nur das richtige Leben, kann solche Texte schreiben und der Erfolg gibt ihm Recht. Olaf Bossi erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen 2015 auch den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg.
Zurzeit ist er mit seinem Programm „Harmoniesüchtig“ auf Tour und begeisterte am Samstag in der Stadtbücherei Aichtal. Er erzählt von Erlebnissen, die auch der ein oder andere im Publikum kennt. Dabei kommen nicht nur altbekannte Vorurteile zwischen Mann und Frau zu tragen, bei denen sich nicht nur Bossi die Frage stellt, wieso eine Frau 1000 Schuhe braucht, wo doch ein Mann mit drei Paar ausreichend ausgestattet ist. Zwei davon bleiben sowieso immer im Schrank stehen.

Er analysiert augenzwinkernd, aber messerscharf kleine Alltagssituationen, hinterfragt nicht nur Beziehungen oder das Verhältnis von Eulen und Lerchen. Wen interessiert
da schon, dass zwar der frühe Vogel den Wurm fängt, wenn die zweite Maus den Käse haben kann. Wie viele andere hat auch Bossi als ausgeprägte Eule in seiner Familie seine liebe Not mit dem Tagesrhythmus unter lauter Lerchen. Trotzdem schläft er manchmal mit seinem Sohn auf dem Sofa ein. Der Kleine genießt unterdessen vergnügt das Fernsehprogramm, möchte am Morgen aber doch lieber „die Sendung mit der Maus“ sehen. Auch sonst ist der Nachwuchs ganz pfiffig und weiß schon mit dreieinhalb ganz genau was er will: Feuerwehreinsätze schauen. Da hilft es auch nicht, ihm das zu verbieten, so lange es Siri gibt, um „youtube“ zu starten. „Immerhin hat er Siri gesiezt und bitte gesagt“, stellt Bossi zu freudig fest und ist hin und her gerissen zwischen böse und beeindruckt sein.
Nicht nur die Kinder erschweren ein entspanntes Harmonieverhältnis in der Familie, auch im Freundeskreis ist nicht alles Gold was glänzt. Zwischenzeitlich lassen sich die ersten Paare wieder glücklich scheiden. „Denn Liebe macht blind, aber die Ehe öffnet die Augen“, weiß der Stuttgarter zu berichten. Wieso also nicht zum Abschied zu einer Scheidungsparty einladen, mit allen Freunden und Verwandten, schlägt der Deutschitaliener vor, denn viele sehen sich hier zum letzten Mal. Vorsichtig gibt er aber zu bedenken, besser auf eine Brautentführung zu verzichten, denn es wäre bitter, wenn niemand nach der Braut sucht. Dafür regt er einen gemeinsamen Besuch beim Scheidungsgericht an und hat die Lacher im Publikum auf seiner Seite.
Die nächste neue Liebe findet sich anschließend beim Online-Dating. Das hat den Songwriter zu einem Lied inspiriert und lässt ihn in alten Erinnerungen schwelgen. Damals, quasi im Vorläufer der Dating-Börsen, inserierte er zusammen mit seinem Freund eine kostenlose Kontaktanzeige in einer lokalen Zeitschrift: “Zwei Flaschen suchen hübsche Dosen zum recyclen“. Prompt meldete sich die beste Freundin seiner Frau. Das stellte Bossi bald darauf vor das nächste Problem: Wie gelingt der perfekte Heiratsantrag? Auf alles vorbereitet und gut geübt, lief der Antrag in echt dann doch nicht ganz so harmonisch oder macht es genau diese Authentizität aus, um Harmonie zu erlangen?

In vielen weiteren Beispielen hält er dem Publikum gerne den Spiegel vor, zeigt auf, du bist nicht allein, wie im Lied zur Zen-Meditation, in dem der freizeitoptimierte Mensch neben Yoga und Tai Chi gleich Zen-Dinge auf einmal macht und damit ganz aus seiner Harmoniebalance geschleudert wird, oder wenn Bossi auf dem
Selbstfindungstrip erkennt: „Der Weg ist das Ziel“ aber erschrickt „Was ist, wenn ich mich finde und finde mich doof?“ Schließlich wollte er nie so werden wie er heute ist, mit Haus, Garten und Rasenmäher. Trotzdem freut er sich scheinbar darüber, dass er alles habe, was anderen fehle: eine breite Mittelschicht und meint damit seinen Bauch. Der Absolvent der Comedy Akademie analysiert die Zerrissenheit seines italienischen Vaters mit den zwei Seelen in der Brust, spürt dabei, dass vieles auch auf ihn zutrifft. Denn Heimat ist zwar hier, aber auch dort, weiß der Tessiner aus Erfahrung und steht zu seiner Kaffee- und Koffeinsucht. Mit ihm kann sich das Publikum identifizieren. Es sieht seine eigenen Stärken, aber auch seine Schwächen. Sie werden durch die Geschichten liebevoll aufgezeigt und verleiten das Publikum, darüber zu schmunzeln und zu lachen. Der tosende Applaus am Abend ist der beste Beweis für ein gelungenes, hervorragendes Programm.

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