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Ein Streifzug durch die schönsten Bibliotheken der Welt und die Geschichte der Büchereien

Die Kunsthistorikerin Barbara Honecker und im Hintergrund Weimar, Neubau der Anna-Amalia-Bibliothek, fertig 2004
Die Kunsthistorikerin Barbara Honecker und im Hintergrund Weimar, Neubau der Anna-Amalia-Bibliothek, fertig 2004

Kunsthistorikerin Barbara Honecker zu Gast in der Stadtbücherei Aichtal
 
(tab) Bibliotheken sind keine Erfindung der Neuzeit. Es gibt sie schon lange, denn ihre Ursprünge reichen bis in die Antike zurück. Mehr über ihren Ursprung, ihre Geschichte und welche Bibliotheken zu den schönsten der Welt gehören, erfuhren die Besucher am Mittwoch in der Stadtbücherei Aichtal. Dort war die Kunsthistorikerin Barbara Honecker zu Gast und hielt in Kooperation mit der Volkshochschule Aichtal einen Vortrag über die Welt und Geschichte der Büchereien.
Die Urform der Bibliothek reicht bis ins antike Alexandria zurück und wurde bereits 300 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet. Sie umfasste zur damaligen Zeit bis zu 7000 Werke. „Von diesen Werken sind heute keine mehr vorhanden“, bedauert Honecker, denn sie sei 272 n. Chr. zerstört worden, berichtet die Kunsthistorikerin weiter. Die damalige Bibliothek hatte ihre Wurzeln in der Athener Philosophenschule Platons, die indirekt von Aristoteles beeinflusst wurde, weiß Honecker. Damals waren die Werke einer Bibliothek nicht auf Dauer ausgelegt, denn sie wurden als Rollen auf Pergament gefertigt und waren somit dem natürlichen Verfall ausgesetzt. Aufbewahrt wurden die Rollen in Regalen. Daher auch der griechische Begriff Bibliothek. Büchereien entstanden erst später, im 18. Jahrhundert. Es waren Büchersammlungen.
Um 1880 wurden die Überreste der Bibliothek Pergamon ausgegraben, die auf Attalos zurück zu führen ist und nach Alexandria die Zweitbedeutendste war.
In der antiken Stadt Nysa am Mäander in Kleinasien war auf Kalksteinquadern und Bruchsteinen in der Zeit 120 bis 140 n. Chr. ebenfalls eine Bücherei erbaut. Dass es sich um eine öffentliche Bibliothek handelte, deutete die Größe des Saales an. Anders als die Celsus Bibliothek, besaß sie allerdings keine Marmorfassade. Die Bücher waren zu der Zeit in Wandnischen untergebracht. Die Celsus Bibliothek stammte aus der römischen Zeit in Ephesos. Entdeckt wurde sie im 20. Jahrhundert und später wieder aufgebaut. Sie gilt als die bekannteste erhaltene Bibliothek in der Antike und als bezeichnendes Bauwerk der damaligen Kaiserzeit.
Ganz anders dagegen das Ravenna Mausoleum der Galla Placidia, entstanden 450 n. Chr. Von außen ist es ziemlich unscheinbar, im Innern dagegen birgt es ein atemberaubendes Wandmosaik aus Alabaster und Marmor im spätantiken Stil. Neben zahlreichen anderen biblischen Bildern wird dort der Heilige Laurentius mit dem Rost, sprich „geröstet“, auf den Mosaiken dargestellt. Die Evangelien werden im Regal aufbewahrt.

Ravenna Mausoleum der Galla Placidia um 450 n.Chr. Der Heilige Laurentius
Ravenna Mausoleum der Galla Placidia um 450 n.Chr. Der Heilige Laurentius

In der Zeit der Antiken bis ins Mittelalter entstanden aufgrund der stattgefundenen Völkerwanderung so gut wie keine Bibliotheken.
Später sind es vor allem die Klöster, insbesondere die Benediktiner, in denen Bibliotheken entstehen und in denen die Schriften nun als Codices aufbewahrt werden. Codices, das sind anfangs Holz- oder Wachstafeln, später Holzbretter die entweder einen Papyrus- oder einen Pergamentblock umschließen. Bereits im Kloster St. Gallen um 825 n. Chr. Ist die Einteilung des Klosters und die Lage der Bibliothek auf dem Lageplan zu sehen.
Ein gotisches Beispiel ist das Kloster Eberbach. Die erste humanistische Bibliothek befindet sich dagegen in Cesena in der Emilia-Romagna. Es ist die Biblioteca Malatestiana sie wurde von Novello Malatesta in Auftrag gegeben, von Matteo Nuti gebaut und 1452 fertiggestellt. Seit jeher ist es eine öffentliche Bibliothek. Das besondere an ihr ist, dass sie die Lesepulte nach Osten ausgerichtet hat. Dadurch fällt beim Lesen nicht zu viel Licht ein und die Schriften werden geschont.
Beeindruckend ist auch die Bibliothek im Vatikan. Dort malte Raffael von 1509-1511 in der Zeit der Hochrenaissance in der Stanza della Segnatura die erste seiner vier berühmten Fresken und schmückte den Lesesaal der Bibliothek. Fast zeitgleich entstanden die Fresken in der Sixtinischen Kapelle durch Michelangelo.
Für die  Spätrenaissance sind dagegen geschmückte Bibliotheken typisch und mit der Bibliotheca Marciana setzt sich Venedig selbst ein Zeichen.
Venedig war auch das Vorbild für die Bibliothek in der Klosteranlage von El Escorial. Sie wurde im 16. Jahrhundert von Juan de Herrera nach den Plänen von Juan Bautista de Toledo, einem Schüler Michelangelos erbaut. Dort ist die Bibliothek in einem der größten Sälen mit Deckenfresken untergebracht.
In Anlehnung an Versailles entstand nach 13 Jahren Bauzeit das Palacio de Nacional in Mafra durch Johann Friedrich Ludwig einem Schwaben aus Crailsheim, der eigentlich nach Amerika auswandern wollte und durch den Tod seiner Frau die italienische Baukunst nach Portugal brachte. Imposant auch die Hofbibliothek in der Hofburg. Sie ist im Prunksaal der österreichischen Nationalbibliothek eingegliedert. Auftraggeber für eine der schönsten Bibliotheken war damals Karl IV, der Vater von Maria Theresia. Er beauftragte Johann Bernhard Fischer von Erlach, der während der Bauzeit verstarb. Sein Sohn führte die Arbeiten zu Ende.
In eines der bedeutendsten Klöster, in St. Gallen entstand im Klassizismus die Stiftsbibliothek. Mit ihren kunstvollen Verzierungen gehört sie zu einer der vollkommensten Bibliotheken überhaupt. Sie umfasst noch heute eine große Anzahl an seltenen Schriften. Darüber hinaus konnten die Besucher lange auch eine in der Vitrine ausgestellte Mumie besichtigen, die die Bibliothek geschenkt bekam.

Einen literarischen Schatz der deutschen Sprache umfasst in Weimar dagegen die Anna Amalia Bibliothek. Ihre Namensgeberin Herzogin Anna Amalia ließ damals ihr Schlösschen zu einer Bibliothek, ganz im Rokoko-Stil umbauen. Im ersten Stock befindet sich über zwei Galerien ein beeindruckender Büchersaal. Für die Aufsicht über die Bibliothek konnte die Herzogin den damaligen Staatsminister Johann Wolfgang von Goethe gewinnen. Heute ist sie Forschungsbibliothek für Literatur. Nach dem Brand 2004, ist die Bibliothek seit 2007 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und kann von maximal 290 Personen am Tag besichtigt werden.
Im Laufe der Geschichte veränderten sich die Bibliotheken zusehend. Anders als früher, bestechen die heutigen Bibliotheken weniger durch Prunk, sondern durch ihre meist schlichte aber beeindruckende futuristische Architektur. Hier soll das Buch zusammen mit der Technik und ihre Leser in den Fokus gestellt werden. Ein Beispiel hierzu ist die Hans Scharoun Staatsbibliothek in Berlin mit seiner organischen Architektur. Im Zentrum steht hier die Aufgabe, aus der sich die Gestaltung des Gebäudes ableitet. Futuristisch mutet  dagegen nicht nur die Ulmer Zentralbibliothek an, die von Gottfried Böhm geplant und 2004 als Pyramide fertiggestellt wurde, sondern auch die von dem koreanischen Architekten Eun Young Yi entworfene Stadtbibliothek in Stuttgart. Sie wurde 2011 eingeweiht. Doch die wohl zurzeit architektonisch zukunftweisendste und imposanteste Bibliothek ist die 2017 im chinesischen Tianjin Binhai eröffnete. Entworfen wurde sie von dem niederländischen Architekturbüro MVRDV. Sie erstreckt sich über fünf Stockwerke. In der Mitte befindet sich eine augenförmige Kuppel als Auditorium. Anders als gewohnt sind die Bücherregale hier terrassenförmig und geschossübergreifend angelegt. Mit ihrer Architektur beschreitet die Bibliothek neue Wege und lässt die Buchliebhaber in eine andere Welt eintauchen oder wie der verstorbene Schriftsteller und Direktor der argentinischen Nationalbibliothek Jorge Luis Borges einst feststellte: „Ich habe mir das Paradies immer als Bibliothek vorgestellt.“

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