Stadt Aichtal

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Stellungnahme Nahverkehrsplanung

Anhörungsverfahren zum Entwurf der 3. Fortschreibung des Nahverkehrsplans für den Landkreis Esslingen
 
Sehr geehrte Frau Dr. Leuze-Mohr,
 
mit Schreiben vom 22.3.2021 haben Sie die Kommunen zur Stellungnahme zum Thema Nahverkehrsplan für den Landkreis Esslingen aufgefordert.
 
Die Stadt Aichtal hat in der Gemeinderatssitzung am 19.5.2021 über dieses Thema beraten und gibt zu diesem Entwurf die folgende Stellungnahme ab:
 
Die Stadt Aichtal hat aus der Bevölkerung zahlreiche Anregungen und Verbesserungsvorschläge zum Entwurf des Nahverkehrsplans erhalten. Es wurde dabei deutlich, dass die Umorganisation des Busverkehrs im Raum Aichtal im Dezember 2019 ein Schritt in die richtige Richtung war, aber gleichzeitig in der Neukonzeption noch erhebliche Mängel bei der Realisierung und täglichen Durchführung des Verkehrs bestehen.
 
Das Interesse der Bevölkerung Aichtals an einem nachhaltigen und gut organisierten ÖPNV ist sehr hoch. Es ist deshalb dringend erforderlich, dass VVS und Landkreis die vorgetragenen Anregungen aufnehmen und insbesondere die vorhandenen technischen Mängel bei der Abwicklung des Verkehrs schnellstmöglich bereinigen. Die Mängelbeseitigung sollte dabei unabhängig vom nächsten NVP in Angriff genommen werden. Nur so kann das Vertrauen in die ÖPNV-Bedienung gestärkt und nur so die viel beschworene Verkehrswende möglichst rasch erreicht werden.
 
Da die ausführliche Darstellung der vorgetragenen Anregungen und Beschwerden den Rahmen dieser Stellungnahme sprengen würde, sollen im Folgenden nur die Kernpunkte mit entsprechenden Beispielen genannt werden. Die Stadt Aichtal stellt dem VVS bei Bedarf die detaillierten Äußerungen  aus der Bevölkerung gerne zur Verfügung.


Die Stadt Aichtal nimmt die Ausführungen im Entwurf der 3. Fortschreibung des Nahverkehrsplans zur Kenntnis und nimmt auf der Basis der Anregungen wie folgt Stellung:
 
1. Verlängerung Linie 167 nach Waldenbuch
 
Die Stadt Aichtal begrüßt und unterstützt ausdrücklich die Überlegungen im NVP, die Linie 167 Nürtingen – Aichtal nach Waldenbuch zu verlängern. Diese Überlegung wurde von der Stadt Aichtal in der Vergangenheit bereits mehrmals geäußert, führte bislang jedoch nicht zur Realisierung.
 
Für den Aichtaler Bürger ist nicht nachvollziehbar, dass er mit dem ÖPNV zwar nach Nürtingen, Bernhausen oder Walddorfhäslach kommt, nicht jedoch in den Wirtschaftsraum Böblingen/Sindelfingen oder weiter nach Tübingen oder Leinfelden. Eine Korrektur des Verkehrsangebotes ist daher überfällig.
 
Bei der Planung der Umorganisation des Liniensystems im Jahr 2019 wurde bereits eine Verlängerung der Linie 167 nach Waldenbuch angedacht und planerisch geprüft. Dabei hat sich herausgestellt, dass eine Verbindung Nürtingen – Aichtal – Waldenbuch umlauftechnisch ohne größere Stillstandszeiten als durchgehende Verbindung realisiert werden und die Anschlüsse an beiden Endpunkten weitgehend aufnehmen könnte.
 
Die Stadt Aichtal regt deshalb an, die damaligen Planungsüberlegungen schnellst-möglich wieder aufzunehmen und den VVS damit zu beauftragen, ein funktions-fähiges Bedienungs-und Finanzierungskonzept zu erarbeiten und die entstehenden Anschlussmöglichkeiten einer verlängerten Linie 167 in Waldenbuch aufzuzeigen.
 
Hierzu wurde aus der Bevölkerung die Anregung geäußert, über eine Art Schnellbus Nürtingen – Böblingen nachzudenken, der gleichzeitig am Wochenende Potenziale im Ausflugsverkehr mit Halt an der Burkhardtsmühle, am Museum Ritter und an der Oberen Rauhmühle erschließen könnte. Alternativ wurde vorgeschlagen, die Linie 805 nach Dettenhausen zu verlängern mit Anschluss an die Schönbuchbahn.
 
Ein weiterer Vorschlag sieht an der Burkhardtsmühle einen Umstieg auf die Linie 815 in Richtung Bernhausen - Ruit vor bzw. in Waldenbuch-Liebenau auf die Buslinien 828, 826 und 815. Die baldige Verlängerung der Buslinie 167 wird dabei als Möglichkeit gesehen, die baubedingt zeitweilige Vollsperrung der S-Bahn zu umgehen.
 
 
2. Bedienung Rudolfshöhe
 
Eine Verbesserung der Direkt- und Umsteigeverbindungen von der Rudolfshöhe nach Bernhausen ist dringend notwendig, da der Wegfall der früheren Linie 75 eine deutliche Einbuße an Bedienungsqualität verursacht hat.
 
Ob allerdings als Voraussetzung hierfür eine Wegeverbindung über das Feldwege-netz zwischen den Haltestellen Riedwiesen und Rudolfshöhe geschaffen werden kann - wie im NVP Seite 244 vorgeschlagen - ist äußerst fraglich. Ohne großen baulichen Aufwand wird dies sicher nicht möglich sein. Hinzu kommt noch das Problem, den Bus durch das räumlich beengte Wohngebiet Rudolfshöhe zu führen.
Die Nutzung von Feldwegeverbindungen weist vielfältige technische Probleme auf, wie die Umfahrung der Ortsmitte von Aich vor einiger Zeit  aufgezeigt hat. Aus Sicht der Stadt Aichtal ist dieser Vorschlag daher nicht realisierbar. Die Stadt Aichtal fordert den Landkreis daher auf, entweder diese Alternative zur Verbesserung des Verkehrsangebotes fallen zu lassen oder zumindest vor Aufnahme in den NVP auf ihre technische und finanzielle Realisierbarkeit zu prüfen.
 
Nach den vorliegenden Aussagen fahren manche Fahrgäste von der Rudolfshöhe über Nürtingen, um nach Bernhausen zu gelangen. Dieser Umweg kann nicht Sinn von Verkehrsverbesserungsmaßnahmen sein. Auf jeden Fall sollte nach anderen Möglichkeiten im vorhandenen Fahrplansystem gesucht werden, um die Haltestelle Rudolfshöhe deutlich besser an jedem Tag der Woche in Richtung Bernhausen bedienen zu können.
 
Durch den Wegfall der Linie 75 wurde auch die Haltestelle Jugendhaus gestrichen. Es sollte geprüft werden, ob diese Haltestelle wieder eingerichtet werden soll.
 
 
3a. Verbesserung der Linie 805 – Erhöhung Fahrtenangebot
 
Vom Einzugsbereich der Haltestelle Aich Siedlung kommen Beschwerden über eine zu geringe Fahrtenanzahl insbesondere am Wochenende. Dies liegt wohl daran dass es insbesondere ältere Bewohner im Bereich Im Zeilfeld gibt, die wegen der Hanglage anstelle der Haltestelle Aich Ort die Haltestelle Aich Siedlung benutzen. Für diesen Personenkreis wirkt sich das geringe Angebot auf der Linie 805 am Wochenende deutlich aus.
 
Eine grundsätzliche Verbesserung des Bedienungsangebotes an allen Wochentagen auf der Linie 805 wird dringend zu den anstehenden Fahrplanänderungen und nicht erst zur nächsten Ausschreibung gefordert.
 
 
3b. Verbesserung des Spätverkehrs auf der Linie 805
 
Im Vergleich zur früheren Linie 75 werden die Abendfahrten bis 00:32 sehr stark vermisst. Die Stadt Aichtal unterstützt die Überlegungen von Filderstadt, den Spätverkehr zwischen Bernhausen und Gutenhalde zu verbessern und beantragt daher, die Verlängerung des Spätverkehrs nach Aichtal zu prüfen. Außerdem wurde angeregt, die Linie 805 nicht nur bis Aichtal zu verlängern sondern bis Walddorfhäslach.
 
 
4a. Geplanter 15-Minutentakt Linie 809
 
Die Stadt Aichtal begrüßt die Überlegungen, die Linie 809 Bernhausen - Neuenhaus auf den zukünftigen 15-Minutentakt der S-Bahn in Filderstadt abzustimmen und damit innerhalb von Aichtal verbesserte Bedienungsstrukturen zu schaffen. Gleichzeitig würden dadurch die Wartezeiten bei verpassten Anschlüssen durch verspätete S-Bahnen deutlich reduziert.
 
Infolge der Einführung des 15-Minutentaktes muss das Bedienungskonzept im Bündel 11 generell neu überdacht und teilweise umstrukturiert werden. Hierzu sind bereits seitens der Bevölkerung Vorschläge eingegangen. So wird vorgeschlagen die Linie 809 zukünftig im Zwischentakt über Froschegert und Rudolfshöhe zu führen. Dies soll als Nebeneffekt einen Anschluss in Richtung Grötzingen an der Haltestelle Froschegert herstellen. Ein weiterer Vorschlag geht davon aus, die Linie 167 über die Haltestelle Riedwiesen hinaus nach Bernhausen zu verlängern, um so für Aich und Grötzingen einen weiteren S-Bahnanschluss herzustellen und damit auch für die Haltestellen Froschegert und Rudolfshöhe.
 
 
4b. Verbesserung Frühverkehr Linie 809
 
Von einem Bürger kommt die Anregung, den Frühverkehr der Linie 809 zu verbessern. Er macht darauf aufmerksam, dass morgens der Bus um 5:32 Uhr ab Bernhausen nur bis Harthausen fährt und anschließend als Leerfahrt nach Neuenhaus, um dort ab 5:58 Uhr wieder in Richtung Bernhausen zu starten. Ein Ausweis dieser Leerfahrt als Fahrplanfahrt würde es ermöglichen, dass Fahrgäste die aus dem Nachtschichtdienst kommen, früh am Morgen von Stuttgart nach Aichtal fahren könnten, letztlich ohne großen betrieblichen Mehraufwand. Der Bus sollte allerdings weiterhin in Harthausen durch die Carl-Zeiss-Straße fahren, da dort viele Fahrgäste aussteigen.
 
Weiter wird darauf hingewiesen, dass insbesondere ab 6:30 Uhr die Busse Richtung Bernhausen sehr voll sind, weil Schüler und Berufstätige zur gleichen Zeit unterwegs sind.
 
 
4c. Verbesserung Spätverkehr Linie 809
 
Der letzte Kurs der Linie 809 um 00:32 Uhr ab Bernhausen endet Montag bis Freitag und am Samstag in Harthausen Carl-Zeiss-Straße. Ein Fahrgast berichtet, dass der Bus dann leer nach Grötzingen fährt und regt an, diese Betriebsfahrt in eine Fahrplanfahrt umzuwandeln, um den Nachtverkehr zu verbessern.
 
Die gleiche Anregung wurde auch für die Fahrten um 20:32 und 21:32 Uhr ab Bernhausen vorgetragen. Auch hier sollte geprüft werden, ob eine eventuelle Betriebsfahrt in eine Fahrplanfahrt umgewandelt werden kann.
 
 
5a. Generelle Optimierung Schülerverkehre
 
Zahlreiche Anregungen und Beschwerden aus der Bevölkerung befassten sich mit  dem Schülerverkehr. Hauptkritikpunkt war die mangelnde Kapazität zu den zentralen Schulzeiten und eine erhebliche Unzuverlässigkeit des Fahrplans, die nach den vorliegenden Beschwerden ihre Ursache in einer nicht situationsangepassten Fahrplangestaltung hat.
Der vorgeschlagenen Analyse der Optimierung des Schülerverkehrs wird daher von der Stadt Aichtal zugestimmt.
 
 
5b. Schülerverkehr mit Ziel ESG Bernhausen
 
Der Schülerverkehr vom ESG über den Bahnhof Bernhausen nach Aichtal wird insbesondere zum Schulende um 12:40 Uhr als problematisch geschildert. Die Busse sind nach diesen Aussagen so überfüllt, dass sie nicht alle Schüler aufnehmen können.
 
Eine Fahrtalternative über die Linie 805 fehlt zum Schulende um 12:40 Uhr, da die Linie 805 zu früh fährt. Der fehlende frühere Halt an der Haltestelle Siedlung führt jetzt dazu, dass die Schüler in Aich Ort oder Stern aussteigen und den Berg hinauf laufen müssen.
 
Aus Sicht der Schüler und Eltern sollte dringend geprüft werden, ob vom ESG ein direkter Schulbus nach Aich eingerichtet werden kann ohne Umwege, bzw. auf der Linie 809 Entlastungskurse zu den Stoßzeiten gefahren werden können.
 
Für die Verbindung von Grötzingen wird eine spätere Ankunftszeit an ESG um etwa 7:20 Uhr vorgeschlagen, sowie ebenfalls ein direkter Schulbus zum ESG. Auch auf dieser Streckenrelation scheinen die vorhandenen Fahrzeugkapazitäten überfüllt zu sein, da der Einsatz von größeren Bussen zu Schulbeginn und Schulschluss von den Eltern verlangt wird. 
 
 
5c. Schülerverkehr Aichtal – Filderstadt
 
Relativ häufig wird der Schülerverkehr zwischen Aichtal und Filderstadt von den Bürgern beanstandet, ohne bestimmte Schulen zu nennen. Demnach soll es im Schülerverkehr in Richtung Filderstadt erhebliche Verspätungen geben, so dass die Schüler nicht pünktlich in der Schule ankommen. In diesem Zusammenhang wird auch darauf hingewiesen, dass Busse überhaupt nicht kommen. Da diese Beschwerden seit Inbetriebnahme des neuen Konzeptes 2019 nicht abreißen, scheint ein systematisches Problem vorzuliegen.
 
Es wird vorgeschlagen, den angesprochenen Schülerverkehr auf  die Zuverlässigkeit seiner Bedienungsstruktur zu überprüfen. Möglicherweise sind die Fahrzeiten zu knapp bemessen (siehe hierzu auch Punkt Beschleunigungsmaßnahmen).
 
Hinzu kommt, dass insbesondere der Schulbus der Linie 809 mit Abfahrt in Grötzingen um 06:53 Uhr nach Aussagen von Fahrgästen in Grötzingen bereits voll ankommt, sodass ein Gelenkbus notwendig wäre. Diese Aussage ist zu überprüfen und gegebenenfalls der Fahrplan umzustrukturieren. 

 

5d. Schülerverkehr Aichtal - Neckartenzlingen
 
Die Schulbusverbindung zwischen Aichtal und Neckartenzlingen wird im Alltagsbetrieb als nicht ausreichend bemängelt. Der aktuelle Corona-Fahrplan stößt dagegen auf entsprechende Akzeptanz. Es wird von Elternseite vorgeschlagen, das aktuelle Fahrplansystem als Ringsystem im Schülerverkehr auch in Zukunft beizubehalten.
 
 
5e. Schülerverkehr Aichtal - Nürtingen
 
Bereits vor der Neuordnung 2019 gab es immer wieder Beschwerden über den Schülerverkehr zum Högy in Nürtingen. Diese Beschwerden scheinen sich mit dem neuen Fahrplan fortzusetzen. Es wird bemängelt, dass der Bus aus Neuenhaus die Ankunftszeit am Högy um 07.31 Uhr nicht einhält, sondern bei einem Schulbeginn um 07:45 Uhr meist nach 07:40 ankommt und bei der Rückfahrt die Linie 167 am ZOB bereits abgefahren ist, wenn der Bus vom Högy eintrifft.
 
Es sollten die Verbindungen zum Högy dringend überprüft werden, da augenscheinlich die vorgegebenen Fahr- und Ankunftszeiten überhaupt  nicht realisiert werden können. Dabei handelt es sich zudem um einen schon lange schwelenden Fahrplankonflikt der endlich gelöst werden sollte.
 
 
6a. Verbesserung der Anschlüsse notwendig
 
Bei der Neuorganisation des Verkehrs 2019 war die Herstellung von sicheren Anschlüssen die zentrale Voraussetzung für die Zustimmung für das neue Bedienungskonzept. Leider hat die Praxis gezeigt, dass die Anschlüsse nicht wie zugesichert funktionieren. Die Wartezeit auf den nächsten Bus, wenn der Anschluss nicht hergestellt werden konnte, ist bei einem 60- aber auch schon bei einem 30-Minutentakt im Verhältnis zur eigentlichen Fahrzeit zu lang, um eine gute Akzeptanz des Nahverkehrs zu erreichen. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.
 
Als Auslöser für die Anschlussprobleme wird von vielen Fahrgästen neben der Verkehrssituation und nicht situationsangepasster Fahrpläne die S-Bahn gesehen. Leider scheint sich an der Zuverlässigkeit der S-Bahn im Laufe der Zeit nicht viel gebessert zu haben, die Beschwerden der Fahrgäste sind nach wie vor zahlreich.
 
Die S-Bahn in Bernhausen wird als chronisch verspätet bezeichnet. Da die Busse die S-Bahn nicht abwarten (können), hat dies für den Fahrgast die Auswirkung, dass er im ungünstigsten Fall 60 Minuten auf den nächsten Bus warten muss.
 
In diesem Zusammenhang wird der Vorschlag unterbreitet, die Linien 809 und 805 insbesondere am Wochenende abgestimmter fahren zu lassen und nicht beide zum gleichen Zeitpunkt und dann Wartezeit auf beiden Linien.
 
Auch für die Linie 808 wird die Nichterreichbarkeit der S-Bahn reklamiert. Diese ist jedoch nicht auf Verspätungen sondern auf ausgefallene Busse zurückzuführen 

Das gleiche Anschlussproblem in Bezug auf die Schienenverbindung wird in Nürtingen geschildert. Hier fahren die Busse der Linie 167 am ZOB pünktlichst ab, obwohl noch Fahrgäste aus der Unterführung kommen. Andere Linien warten.
 
Zudem funktioniert der Anschluss in Nürtingen von der Linie 167 in Richtung Tübingen nicht. Der Zug fährt ab, wenn der Bus am ZOB gerade ankommt. In der Gegenrichtung fährt der Zug oft verspätet ein und der Bus der Linie 167 ist weg.
 
 
6b. Dringende Verbesserung der Anschlusssituation zwischen den Linien 167
      und 809 erforderlich

 
Eine besonders dringliche Aufgabe ist die Verbesserung der Anschlusssituation zwischen den Linien 167 und 809 in Grötzingen. Bei der Neuordnung des Verkehrs ab Dezember 2019 war eine gut funktionierende Umsteigebeziehung insbesondere nach Neuenhaus die Forderung des Gemeinderats der Stadt Aichtal, um diesem Verkehrskonzept überhaupt zustimmen zu können. Neuenhaus sollte durch das erforderliche Umsteigen nicht zusätzlich benachteiligt werden.
 
Es herrscht in Neuenhaus großes Unverständnis, dass die Umsteigebeziehung trotz früherer Zusicherung nicht funktioniert. Betroffen sind nicht nur Berufstätige sondern unter anderem ältere Personen, die Fachärzte in Nürtingen besuchen. Sie sind damit in einer ähnlichen Situation wie die Berufstätigen, beide Gruppen sind auf ein genaues Zeitmanagement im ÖPNV angewiesen sind. Es ist nicht zu erwarten, dass bei diesen schlechten Bedingungen der ÖPNV angenommen wird.
 
Kritiker haben sich damals schon im Hinblick auf die Verkehrssituation, auf die Verspätung der S-Bahn und vor allem auf den zeitlich sehr knappen Fahrplan auf der Linie 167 skeptisch gezeigt. Fahrgäste und auf Nachfrage auch die Fa. Melchinger weisen immer wieder darauf hin, dass der Bus auf der Linie 167 sowohl wegen der Verkehrssituation in Nürtingen als auch wegen des Zustandes der Straße nach Grötzingen den zugeteilten Fahrplan nicht schafft und somit systematisch Verspätungen produziert, die den Anschluss zur Linie 809 gefährden bzw. unmöglich machen. Es ist dringend Abhilfe geboten, wenn das Verkehrskonzept eine verstärkte Nutzung des ÖPNV bewirken soll.
 
Fahrgäste berichten z.B., dass auch durch den Fahrerwechsel in Neuenhaus die Zeit deutlich verknappt wird und die Fahrer die Ausgabe bestimmter Fahrscheine (insbesondere Mehrfahrtenticket) nicht richtig beherrschen und damit wertvolle Zeit verlieren. Zudem werden die Busse nicht richtig ausgeschildert und die Fahrer haben sprachliche Verständigungsschwierigkeiten. Durch die gestörte Kommunikation geht wertvolle Umsteigezeit verloren. Es wird vorgeschlagen, den Fahrerwechsel in Grötzingen durchzuführen, damit der Umstieg nicht beeinträchtigt wird.
 
 
6c. Verlegung der Linienführung zur Verbesserung der Anschlusssituation der Linien 809/167
 
Anwohner der Albstraße und Nebenstraßen beschweren sich wegen der Linien-führung über die Albstraße und verlangen eine Verlegung des Umstiegs auf die Wendeschleife. Dieser Vorschlag wurde bereits 2019 bei der Einführung der Neukonzeption vorgetragen, vom VVS jedoch aus Gründen der Verkehrsabwicklung abgelehnt. Ein Umstieg bei der Wendeschleife würde möglicherweise nachts wegen der schlecht ausgeleuchteten Haltestellensituation von den Fahrgästen nicht akzeptiert werden. Andere Stimmen weisen darauf hin, dass der zentrale Umstiegsort Aich Ort sein sollte, da dort alle vorhandenen aber auch zukünftigen Linien, die Aichtal erschließen könnten, vorbeikommen.
 
Die Stadt bittet den VVS die Situation dahingehend nochmal zu überprüfen, ob die Fahrt durch die Albstraße für die Anwohner zumutbar ist, ob der Umstieg an der Wendeschleife Vorteile für die Herstellung der Umsteigebeziehung bringt und ob die räumliche Situation an der Wendeschleife ausreichend fahrgastfreundlich ist. Bei der Umgestaltung der Verkehre im Rahmen eines 15-Minutentaktes wäre auch der Umstieg in Aich Ort zu prüfen.
 
 
7a Zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung des Verkehrsangebotes
 
Zahlreiche Anregungen befassten sich mit einer generellen Verbesserung des Verkehrsangebotes durch neue Linien, Taktergänzungen oder vollkommen neue Überlegungen zur Erschließung des Filderraumes von Aichtal aus. Im Folgenden sollen einige Beispiele aufgezeigt werden.
 
 
7b. Berücksichtigung Untersuchung VWI vom 16.11.20, Einführung
      eines Expressbussystems aus Richtung Neckartenzlingen
 
Die Untersuchung schlägt vor, ein Expressbussystem mit Nutzung der B 27 als Ver-längerung der Linien 187 (Kleinbettlingen - Neckartenzlingen) und 197 (Metzingen - Neckartenzlingen) ab Neckartenzlingen Spitzacker zu realisieren. Ein Express-bussystem würde die Fahrzeit durch eine Verringerung der Haltestellen deutlich verkürzen. Es wäre für die Stadt Aichtal dann von Vorteil, wenn der innerörtliche Verkehr auf die entsprechende Anschlusshaltestelle des Expressbusses abgestimmt wäre.
 
Das Expressbussystem wäre nur erfolgreich, wenn gleichzeitig Busbeschleunigungs-maßnahmen umgesetzt werden. Die Stadt Aichtal schlägt vor, ein Expressbussystem in die zukünftigen Fahrplanüberlegungen zum 15-Minutentakt einzubeziehen und auf seine Realisierungsmöglichkeiten zu prüfen.
 
 
7c. Expressbuslinie X 7
 
Es liegt die Anregung von Fahrgästen vor, die Expressbuslinie X 7 Degerloch - Bonlanden – Harthausen entweder nach Aichtal zu verlängern oder einen Anschluss über die Linie 809 herzustellen. Ziel ist die direkte Anbindung nach Degerloch. Der Vorschlag sollte auf seine Realisierbarkeit geprüft werden und in die Fahrplangestaltung spätestens dann einbezogen werden, wenn ein 15-Minutentakt auf der Linie 809 eingerichtet wird.   
Darüber hinaus wird der Wunsch geäußert, auch die Linien 805/808 in die Über-legungen eines Schnellbuskonzepts mit einzubeziehen. Eine zukünftige Neuaus-richtung des ÖPNV in Aichtal soll nach vorliegenden Anregungen auch die Ziele Flughafen/Messe, Leinfelden/Echterdingen und Stuttgart-Fasanenhof einbeziehen, da dort bereits heute ein 15-Minutentakt bei S-Bahn und Stadtbahn Richtung Stuttgart vorhanden ist.
 
 
7d. Erhöhung des Verkehrsangebotes auf der Linie 167
 
Nürtingen kann vor 6 Uhr nur mit dem Umweg über Bernhausen erreicht werden Deshalb wird z.B. der fehlende Frühverkehr nach Nürtingen, der einen Dienstbeginn um 06:00 Uhr erlauben würde, bemängelt. Des weiteren wird eine Erhöhung der Taktfrequenz auf durchgängig 30 Minuten gefordert.
 
 
7e. Direktverbindung Grötzingen - Plattenhardt
 
Es wird eine Direktverbindung von Grötzingen nach Plattenhardt vorgeschlagen.  Diese Verbindung steht stellvertretend für eine generelle Anbindung in den Raum Plattenhardt – Filderstad ohne Bernhausen anzufahren bzw. in den Raum Leinfelden-Echterdingen.
 
 
7f. Erschließungsdefizite verschiedener Wohngebiet
 
Aus der Bevölkerung wurde darauf hingewiesen, dass verschiedene Wohngebiete nicht oder nur über lange Fußwege erschlossen werden. Es wird dabei auf die diversen Hangbereiche in Aich, Neuenhaus mit dem Hallenbad verwiesen. Der Bereich Froschegert/Rudolfshöhe ist in der Realität nur in Richtung Nürtingen angebunden. Hinzu kommt, dass die Haltestellenabstände zwischen Aich-Ort und Aich-Siedlung als zu lang angesehen werden.
 
Es wird bemängelt, dass die ehemalige Haltestelle Kriegerdenkmal trotz guter Haltestellenausstattung und entsprechender umliegender Infrastruktur nicht mehr angefahren wird.
 
 
8. Berücksichtigung Untersuchung VWI vom 16.11.20, Hinweis auf Beschleunigungsmaßnahmen im Busverkehr
 
Das VWI hat im Auftrag der Stadt Aichtal und des GVV Neckartenzlingen eine Unter-suchung zur Verbesserung der ÖPNV-Anbindung der Stadt Aichtal und des GVV Neckartenzlingen durchgeführt. Neben einigen eher in die weitere Zukunft gerichteten Überlegungen werden zur Beschleunigung des Busverkehrs 4 Vorschläge gemacht, wie durch Einrichtung von Lichtsignalanlagen, Bau von Busspuren und Verbesserung der Durchfahrtsmöglichkeiten in Bernhausen der Busverkehr deutlich beschleunigt werden kann.   
Da in der Vergangenheit zwar immer wieder auf die notwendige Beschleunigung des Busverkehrs verwiesen, jedoch keine Maßnahmen umgesetzt wurden, schlägt die Stadt Aichtal vor, die beschriebenen Vorschläge näher zu untersuchen und baldmöglichst zu realisieren. Die Attraktivität der Linie 809 steht und fällt mit der verlässlichen Anbindung an die S-Bahn.
 
 
9. Qualitätsansprüche
 
Der NVP formuliert unter anderem Vorgaben für die Zuverlässigkeit der Betriebs-abwicklung, für Fahrzeugausstattung und Kundenservice. Leider scheinen diese Qualitätsvorgaben nicht immer eingehalten zu werden. Die Bevölkerung bemängelt die Unzuverlässigkeit der Bedienung auf Grund von Verspätungen oder ins-besondere morgens durch zu frühes Abfahren an den Haltestellen. Dass Busse ausfallen, von der Route abweichen oder Kinder an der Schule nicht mitgenommen werden, wird mehrmals angeführt.
 
Die Überfüllung der Schülerfahrzeuge wird oft angesprochen, da die Busse einfach weiterfahren ohne zu halten. Die Fahrzeugausstattung lässt zu wünschen übrig, da relativ alte Fahrzeuge eingesetzt werden. Hierzu liegen z.B. Beschwerden vor, dass die Türen an den alten Bussen nicht ordnungsgemäß schließen - sogar mit einem Seil zugebunden werden - oder Fahrzeuge in den Einsatz geschickt werden, bei denen die Reparatur erkennbar noch nicht beendet ist. Kaputte Sitze und das Fehlen von Klimaanlagen werden ebenfalls angesprochen.
 
Ganz erheblich wird das unzureichende Beschwerdemanagement bemängelt. Eine falsche Kennzeichnung der Busse scheint ebenfalls oft vorzukommen, sodass falsche Ziele angesteuert werden. Oder die Anzeige funktioniert überhaupt nicht und ist schon ganz defekt. Im Rahmen der Qualitätsmängel wird auch ein Rauchverbot angesprochen sowie in Pandemiezeiten die Kontrolle der Einhaltung der Maskenpflicht.
 
Nachdem mit der Neugestaltung des Verkehrs das frühere Verkehrsangebot deutlich verbessert wurde, konterkariert die mangelnde Qualität bei der Ausführung die Wahrnehmung der verbesserten Bedienungsstruktur. Hier sollten kurzfristig mehr Qualitätskontrollen während des Einsatzes durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang sollte auch geprüft werden ob die Fahrzeuggröße dem tatsächlichen Bedarf besser angepasst werden kann.
 
Bei zukünftigen Ausschreibungen ist dringend die bestehende Qualitätsanforderung einer kritischen Würdigung zu unterziehen. 20 Jahre alte Fahrzeuge im Einsatz entsprechen einfach nicht mehr der aktuellen Wahrnehmung von Umweltanforderungen und den notwendigen Anreizen, um den Fahrgast vom MIV (Motorisierter Individualverkehr) auf den ÖPNV zu bringen.
 
Der ÖPNV muss auf allen Betriebsebenen funktionieren, sonst wird ein Umdenken beim potentiellen Nutzer nicht stattfinden können. 

 
10. Haltestellenausstattung als Qualitätsmerkmal
 
Auch eine korrekte Haltestellenausstattung zählt mit zu den Anforderungen an die Qualität. Zwar werden die neuen Fahrpläne zum Fahrplanwechsel weitgehend aktualisiert aber die sonstige Haltestellenausstattung ist mangelhaft. Fahrgäste berichten von falscher Haltestellenbeschilderung, veralteten Linienschildern und eine nicht mehr auf die aktuelle Linienführung abgestimmte Ausstattung. Hier sollte dringend eine Überprüfung der Aktualität der Haltestellenausstattung durchgeführt werden.
 
Ergänzend wird angeregt, dass in Grötzingen eine Fahrplananzeige installiert wird, um den nächsten Bus anzuzeigen.
 
Der Umbenennung der Haltestelle Linde in Harthausen wird von Seiten der Stadt Aichtal zugestimmt
 
 
11. Verbesserung der Mindestfahrtenzahl
 
Im NVP wird darauf hingewiesen, dass zukünftig die Anzahl der Mindestfahrtenzahl von 11 auf 15 heraufgesetzt wird. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, führt jedoch nicht unbedingt immer zu einer besseren Akzeptanz des ÖPNV. Eine entsprechende Bandbreite von Fahrtenpaaren führt in der Stadt Aichtal mit unterschiedlich großen Stadtteilen zu zahlreichen Problemen. Dies gilt umso mehr, wenn wie beim Stadtteil Rudolfshöhe eine deutliche Verringerung mit der Neuorganisation einherging. Auch die Anbindung von Neuenhaus mit der Notwendigkeit des Umsteigens ist letztlich von der Bevölkerung noch nicht akzeptiert. Hier sollte dringend und ohne Verweis auf die Mindestfahrtenzahl eine Verbesserung der ÖPNV-Anbindung in Aussicht gestellt werden.
 
 
12. Bwegt-Tarif
 
Der Bwegt-Tarif soll alle Verbindungen in Baden-Württemberg anbieten. Nutzer weisen darauf hin, dass dies in Bezug auf Aichtal nicht der Fall ist. So können z.B. keine durch-gehenden Fahrscheine gelöst werden von Aichtal über Waldenbuch nach Tübingen oder nach Waldenbuch über Bernhausen. Richtung Reutlingen über Bernhausen/X3 ist ebenfalls nicht möglich. Auch die Verbindung Aichtal - Bernhausen - Nürtingen ist in den Taktlücken der Linie 167 nicht lösbar.
 
 
13. Gleichrangigkeit der Verkehrsbeziehungen
 
Bei der Neuorganisation der Verkehre im Jahr 2019 wurde der S-Bahnanbindung in Bernhausen absoluter Vorrang eingeräumt und deshalb die Verkehrsbeziehung deutlich aufgewertet, während die Verbindung nach Nürtingen im Gegensatz zur historisch gewachsenen Struktur untergeordnet wurde. Dies war und ist für den Bürger, der nach Nürtingen möchte, nicht nachvollziehbar und wird erst recht nicht akzeptiert werden, wenn Nürtingen in naher Zukunft ebenfalls mit der S-Bahn bedient  wird. Hier ist dringend in den NVP eine Verbesserung der Verbindung nach Nürtingen über die Linie 167 aufzunehmen.
 
Die Stadt Aichtal unterstützt deshalb den Vorschlag des Zweckverbandes ÖPNV Nürtingen in seiner Stellungnahme zum NVP vom 19.5.2021, für die Linie 167 Aichtal - Nürtingen die Einführung eines 30-Minutentaktes zu prüfen. Zumal die oben beschriebene Untersuchung des VWI ergeben hat, dass von den Top-Zielen des Gesamtverkehrs 17% Stuttgart betreffen und bereits an zweiter Stelle Nürtingen mit 13% liegt. An dritter Stelle kommt schon deutlich abgeschlagen Bonlanden mit 8%. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Fahrtbeziehung nach Nürtingen über die Linie 167 für Aichtal von untergeordneter Bedeutung ist und deshalb nicht in das verlässliche Regionalbahn-Anschluss-System aufgenommen werden braucht.
 
Die Stadt Aichtal fordert deshalb, die Ungleichbehandlung der Fahrtbeziehungen nach Bernhausen und Nürtingen zu beseitigen und die Linie 167 baldmöglichst in das verlässliche Regionalbahn-Anschluss-System aufzunehmen.
 
 
Wir bitten um Berücksichtigung der Punkte beim Beschluss des Nahverkehrsplanes. Vielen Dank!
 
 
Mit freundlichen Grüßen
 
 
 
 
Sebastian Kurz
Bürgermeister

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