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Demografie geht alle an

Demografiebeauftragter des Landes Thaddäus Kunzmann in Aichtal

(wm) Seit dem 1. März 2017 ist der Oberensinger Thaddäus Kunzmann Demografiebeauftragter des Landes Baden-Württemberg. Er habe damals einen leeren Schreibtisch vorgefunden, erzählte er in seinem Vortrag mit anschließender Diskussion in der Stadtbücherei in Aichtal. Die Volkshochschule Nürtingen – Außenstelle Aichtal hatte in Kooperation mit der Stadtbücherei unter dem Motto „Unsere Zukunft in der Kommune“ eingeladen.

Um seinen leeren Schreibtisch zu füllen, hat er zunächst ein Blick auf den Demografischen Wandel und dessen Auswirkungen geworfen. Seit 200 Jahren steige die Lebenserwartung ständig und damit die Rentenbezugsdauer. Der Rentenbeitrag bleibt hingegen relativ stabil. Zudem gebe es zu wenig Zuwachs. Er machte ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Wenn in der ersten Generation 100 Männer und Frauen da seien und diese 1,58 Kinder zur Welt brächten, was der aktuelle Durchschnitt ist, wären in der nächsten nur noch 79 Personen da. In der dritten Generation nur noch 62 und in der darauffolgenden nur noch 48. So würde sich die Gesellschaft innerhalb von vier Generationen halbieren. Um das jetzige System am Laufen zu halten, ist man auf Zuzug angewiesen, auch wenn dieser den aktuellen Trend nicht vollständig aufhalten könne.

Er stellte fest: „Was ist unser Wunsch für das Alter? So lange wie möglich – wenn möglich bis zuletzt –  in der eigenen Häuslichkeit gesund, mobil und selbstständig wohnen zu können.“

Deshalb ging er auf das Handlungsfeld Wohnen ein. Er berichtete, dass 70% Ein bis Zweipersonenhaushalte seien und das es einen Trend zur „Versingelung“ gäbe. In Aichtal seien allerdings 88% Ein- und Zweifamilienhäuser. Zumeist seien diese wenig altersgerecht. Er meint, dass Geschosswohnungen deutlich besser barrierefrei gemacht werden könnten und sagt: „Man sollte an die Sache ran gehen, wenn man noch gar nicht an das Gebrechen denkt.“ Sein Vorschlag ist, dass man im Zentrum altersgerechten Geschosswohnungsbau betreibt. Im Zentrum sei ein besserer Anschluss an die Nahversorgung gegeben und es käme nicht so sehr zur Vereinsamung. Ebenfalls wichtig sei deshalb die Mobilität. Denn Mobilität sei Lebensqualität. Er würde sich freuen, wenn sich die Gesetzeslage ändern würde und man weg vom Linienverkehr, der an eine bestimmte Streckenführung gebunden sei, hin zum Flächenverkehr kommen würde, besonders in Hinblick auf den Bürgerbus. Bürgerbusse und Genossenschaftsläden seien Beispiele für Ehrenamt, das sehr wichtig bei dem Thema ist. Ihm ist allerdings auch wohl bewusst, dass trotz des starken Ehrenamtes in Baden-Württemberg der Trend zu projektbezogenem und zeitlich begrenzten Engagement gehe. Die Kommunen seien hier in der Pflicht das Ehrenamt mehr zu begleiten. Beim nächsten Handlungsfeld „Digitalisierung“ sah er auch die Städte in der Pflicht zum Beispiel beim Glasfaserausbau oder 5G. Er führte auch auf, dass die ärztliche Versorgung in Zukunft vielleicht nur noch digital wirklich gut funktionieren kann. Gesundheit sei ein weiterer Faktor des Wandels. Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte trügen maßgeblich zu einer guten Gesundheit bei. Man müsse sich jetzt schon überlegen, wie man sich verhält und präventiv denken. Er betonte, dass es beim Fachkräftemangel in der Pflege auch darum ginge, wie man Pflegebedürftigkeit reduzieren könne.

Im Anschluss an den Vortrag konnten Fragen gestellt und diskutiert werden. Ein Gast meldete sich zu Wort und meinte, dass man anders bauen sollte und das die Kommunalpolitik umdenken müsse und von anderer Seite wurde gesagt, dass selbst wenn die Bereitschaft zum Umzug vom Einfamilienhaus in eine Wohnung da wäre, oft der Wohnungsmarkt zu teuer oder leergefegt sei. Kunzmann betonte, dass das Ziel sei, im eigenen Ort zu bleiben. Er gab auch zu bedenken, dass ein Umzug immer an die emotionale Verwurzelung gehe. Auch wünschte man sich in Wohngebieten einen Supermarkt. Ein Besucher sagte, dass es in Aichtal keinen Bahnanschluss gäbe, man mit dem Bus schlecht angebunden sei und der Bürgerbus nicht ortsteilübergreifend fahre. Kunzmann gab zu bedenken, dass für 4,8 km S-Bahnlinie nach Neuhausen 209 Millionen Euro brauchte und das der Zeitumfang von Planung bis Fertigstellung 20 Jahre brauche. Auch sagte er, dass Bügerbuse nicht ortsteilübergreifend fahren dürfen und Omnibusunternehmen oft gegen den Bürgerbus seien, da sie darin eine Konkurrenz sähen. Sie hätten sowieso nicht viel Spielraum was den Gewinn angehe, weil es europaweite Ausschreibungen gäbe. Auch stellte er fest, dass er, wenn er mit dem Bus 74 zum Nürtinger Bahnhof fahre, meist der einzige Fahrgast sei.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jeder einzelne sich auf den Demografischen Wandel vorbereiten und sich selbst fragen müsse:

  •     Wie sieht es bei mir daheim aus? Ist meine Wohnung barrierefrei? Hat meine Wohnung/mein Haus die richtige Größe?
  •     Wo kaufe ich ein? Stärke ich dadurch die Nahversorgung vor Ort?
  •     Trage ich meinen Teil zur Gesellschaft bei und engagiere mich vielleicht sogar Ehrenamtlich?
  •     Habe ich ein soziales Umfeld?
  •     Halte ich mich gesund? Ernähre ich mich gut und bewege mich genug?
  •     Wie kann ich im Alter immer noch mobil sein? Was kann ich zur Mobilität beitragen?


Der Abend mit Kunzmann regte zum Nachdenken an und forderte jeden auf, selbst aktiv zu werden.

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