Stadt Aichtal

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Das Rathaus öffnet sich für Kunst und Musik

- Großer Andrang bei der ersten Vernissage am Freitag im Aicher Rathaus

(tab) Am Freitagabend öffnete sich das Aichtaler Rathaus für Kunst und Musik.

Zahlreiche Besucher folgten der Einladung der Stadtverwaltung, um die erste Vernissage im Aicher Rathaus mitzuerleben und die Werke der ortsansässigen Künstler zu betrachten. Denn die Bilder und Skulpturen des ehemaligen Stadtrat Rolf Malik und des Stadtrates Jost W. Fuhr sind zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Zum Auftakt spielten Kristina Fuhr (Kontrabass) zusammen mit Mike Matrai (Gitarre), Stefan Fritz (Tenorsaxophone), Stefan Löhle (Tenorsaxophone) und Elmar Schrepfer (Schlagzeug), die sich eigens für die Veranstaltung zur Jazz-Jam zusammengefunden hatten. Anschließend begrüßte Bürgermeister Lorenz Kruß die Gäste in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Rathaus und gab in seiner Rede einen Einblick in das Entstehen dieser Ausstellung. Anfang des Jahres seien Heide Metzdorf, Inhaberin eines Kunstateliers in Aichtal, Elmar Schrepfer, der musikalische Koordinator und Tanja Bürgermeister verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung auf ihn zugekommen, um die Idee für diese Ausstellung vorzustellen. Er habe sich das ganze in Ruhe angehört. „Dann schlug ich den 5. Juli als Vernissage-Termin vor und alle waren begeistert, dass die Idee Anklang fand,“ erzählt er und merkte an: „Seit dem war die Planung ein Selbstläufer.“ Dabei lobte er das Engagement der Beteiligten, die mit viel Einsatz und Freude diese Veranstaltung auf den Weg gebracht hatten. Sie soll der Auftakt für weitere Ausstellungen im Rathaus sein. „Es gibt so viele kreative Künstler in Aichtal, die es Wert sind ihre Werke zu zeigen,“ weiß der Bürgermeister zu berichten. „Es ist deshalb schön, wenn sich das Rathaus auch weiterhin für Kunst und Kultur öffnet, um die Menschen im Aichtal zu verbinden“, freut sich der Rathauschef. Anschließend ergriff der musikalische Koordinator Elmar Schrepfer das Wort und stellte die Musiker vor und die für diesen Abend ausgewählten Musikstücke.

Mit einem Zitat von Bertold Brecht eröffnete die Kuratorin des Abends, Heide Metzdorf ihre Rede: „Alles wandelt sich. Neu beginnen kannst du mit den letzten Atemzug. Aber was geschehen ist geschehen. Und das Wasser, dass du in den Wein gossest, kannst du nicht mehr herausschütten.“ Ihrer Ansicht nach könnte das Zitat die Überschrift der Ausstellung sein, spiegelt es doch die Werke und das Leben der beiden Künstler Jost W. Fuhr und Rolf Malik wider. Auch wenn es nicht ganz einfach war, die beiden zu überzeugen ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren, brauchen sich die beiden nicht verstecken, weiß Heide Metzdorf und erläutert. Unbändige Lebensfreude kommt beim Tun zum Ausdruck, beim Farbenmischen, Farbenauftragen, mit Farben gestalten und ist einfach beispielgebend und hat Vorbildfunktion.

Auch die Skulpturen aus Holz, Eisen oder Holz mit Eisen, die noch Spuren vom Gebrauch aufweisen und durch die Witterungseinflüsse verändert wurden, haben durch den Einfluss des Künstlers eine völlig neue Aussage erhalten und sind vom puren einfachen Gebrauchsgegenstand zum Objekt gewandelt, verdeutlicht sie.

Im Gegensatz zu Rolf Malik entdeckte Jost W. Fuhr bereits zu seiner Gymnasialzeit seine Liebe zur Malerei, erzählt die Kuratorin. Allerdings ließen das Studium zum Ingenieur und das Berufs- und Familienleben wenig Zeit für diese Art Zeitvertreib, so dass er sich erst jetzt wieder im Ruhestand vermehrt der Malerei widmet. Bis auf eine Ausnahme als er in den 1970er Jahren die Dorfansicht der Gemeinde Aich ins Goldene Buch zeichnete.

Rolf Malik dagegen entdeckte erst nach seiner Berufszeit als Jurist und Leiter der Strafvollzuganstalt seine Faszination für den Umgang mit Farbe.

Unterschiedlicher können zwei Lebenswege, zwei Berufe nicht sein, weiß die Künstlerin zu berichten.

Auf der einen Seite Jost W. Fuhr als Ingenieur bei dem es auf 100 % Genauigkeit ankommt und auf der anderen Seite Rolf Malik, der Vollzuganstaltsleiter, der in die dunkelsten Seelen Einblick hatte. Seine Aufgabe war es, die Gestrauchelten wieder auf den rechten Weg zu bringen. Dabei ging er schon damals neue Wege: weg vom reinen Bestrafen hin zur Resozialisierung mit Freigang und Pflege eines Gutshofes, bei dem die Häftlinge Verantwortung für Lebewesen übernehmen mussten.

Diese Berufe prägen, weiß Heide Metzdorf und sie beeinflussen bis ins Innerste der Menschen. Nun bereits seit Jahren im Ruhestand, auch durch Krankheit gehandicapt, haben sich beide einen neuen Inhalt geschaffen, Was sich seither mit Zahlen, Plänen, Grenzen ausloten im Realen, ereignete, findet nun auf der Leinwand statt.

Mit der Aichtalbrücke von Jost W. Fuhr nimmt der Künstler durch Perspektive und Farbwahl die Segnungen des Fortschritts kritisch unter die Lupe. So bringt sie Erleichterung für den Straßenverkehr, aber auch eine Belastung der Luft mit sich, dargestellt über die rote Farbe. Jost W. Fuhr ist bis zum heutigen Tage ein politisch denkender Geist, immer der Sache zugewandt, nicht um des eigenen Vorteils willen, sondern um ein für alle optimales Ergebnis zu erzielen, beschreibt die Kuratorin den Künstler und stellt fest, dass sich dies auch in dem Bild wiederfindet. Die im Erdgeschoss zeitlich chronologisch aufgehängten Ölbilder zeigen dagegen die Entwicklung mit dieser Technik, anfangs ist noch die zaghafte Pinselführung zu sehen, die allerdings von Bild zu Bild immer mutiger wird.

Dem gegenüber ein Bild von Rolf Malik, voller Sonne und Energie, um der heimtückischen Krankheit zu begegnen, sich nicht unterkriegen zu lassen, um mit ihr zu leben. Der Lebensfreude ein Gesicht geben. Der untere Teil ein Kornfeld fast den ganzen Bildraum einnehmend, wärmend, lädt ein sich niederzulassen, sich auszuruhen. Das Gelb unterbrochen vom erdigen Braun lässt den Betrachter die Spröde des Strohs spüren und die weißen Bäume scheinen Platzhalter für neue Projekte.

Aufgrund seiner Krankheit waren seine Pinselbewegungen anfangs klein, mittlerweile füllen sie jedoch die gesamte Leinwand freut sich Heide Metzdorf. Er selbst beschreibt seine schöpferische Arbeit mit den Worten: „Dem Leben Farbe geben.“

Beide Künstler stellen sich neuen Herausforderungen, weiß die Kuratorin. Sie geben uns allen ein Beispiel über erfüllte Zeit, die hoffentlich noch sehr lange produktiv und erfüllend anhalten wird, wünscht sich die Künstlerin.

Durch die einführenden Worte zur Ausstellung bereits neugierig geworden, hatten die Besucher anschließend die Gelegenheit, sich selbst von den Werken zu überzeugen, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen und die Musik der Jazz-Jam zu genießen.

Die Werke können in den nächsten Wochen während der üblichen Öffnungszeiten des Rathauses gerne angeschaut werden.

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Dienstagnachmittag: 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr

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