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Die Welt würde helfen, wenn...

Ein Vortrag von Marwan Radwan über Syrien
 
(wm) „Jeder Mensch hat zwei Heimaten, seine eigene und Syrien“, mit diesem Zitat begann Marwan Radwan den Vortrag über Syrien. Der syrische Journalist eröffnet damit die Reihe „Weltreise durch die Heimat anderer Kulturen“ der Volkshochschule Nürtingen Außenstelle Aichtal in Kooperation mit dem WiA – Willkommen in Aichtal. Warum er dieses Zitat so treffend findet erklärt Radwan den Besuchern im vollen ABC – Aichtaler Bürger Café: „Syrien ist die Wiege der Welt.“ Hier haben viele Kulturen und Religionen ihren Ursprung.
Doch kein konfliktfreier Ort ist diese Wiege: Sie steckt in einer Identitätskrise. Die Grenzen wurden von Frankreich und Großbritannien gezogen und mehrere Volksstämme zu einem Land zusammengefasst. Gehören sie nun zur arabischen oder muslemischen Welt? Sind sie ein Volk oder kocht jeder Stamm seine eigene Suppe? Eine schwierige Situation für die Syrer. Dazu kommt noch eine Diktatur unter einer Partei, die seit 1963 an der Macht ist.

Gespannte Zuhörer lauschen dem studierten Journalist aus Syrien Marwan Radwan
Gespannte Zuhörer lauschen dem studierten Journalist aus Syrien Marwan Radwan

Ein Beispiel für das System sind die Sperren an jeder Straße. Radwan erzählt, dass seine Familie etwa 15 Autominuten von Damaskus entfernt wohnt. Zurzeit brauche man allerdings mehr als zwei Stunden, um dorthin zu gelangen, weil es so viele Kontrollpunkte zu überqueren gelte. Willkürliche Verhaftungen von jungen Männern für den Militärdienst stehen an solchen Kontrollen auf der Tagesordnung. „Jeder Soldat ist wie ein König, er kann machen was er will“, so Radwan. Es gibt aber auf der Straße auch eine Spur für Militärangehörige, auf der man sehr schnell vorankomme. Man könne sich aber für viel Geld einen Militärpass besorgen und so schneller unterwegs sein. Viele Taxifahrer etwa nutzen diese Möglichkeit. So gibt es viel Korruption, aber auch Nutznießer von dieser. Doch ein großer Teil der Bevölkerung ist unter der Armutsgrenze.
Radwan hat ein Bild aus seiner Heimatstadt dabei, das erst zwei Tage alt ist. Es zeigt eine Schulklasse mit Kindern, die eng aneinander gekuschelt unter Decken in ihren Schulbänken sitzen. Öl und Strom sind Mangelware, deshalb wurden schon rund 27 Millionen Bäume gefällt.
Bis 2003 gab es zwei Mal in der Woche militärischen Unterricht und auch die Schuluniformen für Jungen und Mädchen sahen entsprechend aus. Radwan sieht darin mit einen Auslöser für die schwere des Bürgerkrieges in seinem Land. Wenn jeder mit einer Kalaschnikow umgehen kann ist das gefährlich. Inzwischen ist es aber kein Bürgerkrieg mehr, sondern ein internationaler. Die Kämpfer in Syrien stammen aus 91 Nationen und auch finanzielle Unterstützung kommt aus vielen Ländern. Radwan antwortete auf die Frage, ob er Hoffnung habe, dass es bald Frieden gibt: „Schwierig, wenn man Leute wie Putin und Trump hat.“ So macht ihm die Situation Angst. Die USA und Russland haben sich darauf geeinigt, dass ein Fluss die Grenze zwischen zwei kämpfenden Gruppen darstellt. Überquert eine Partei den Fluss wird geschossen.
 
„Wenn Kinder Erdöl bluten würden, würde die ganze Welt helfen“ steht auf einem Plakat bei Demonstrationen vor ein paar Jahren. Doch genau das bringt das Elend auf den Punkt.
Am Ende des gelungenen Vortrags bekam Marwan Radwan von den ca. 60 Besuchern Applaus und viele lobende Worte. Seit zwei Jahren und vier Monaten ist er nun schon in Deutschland und wohnt seit Oktober 2015 in Aichtal. Sein Ziel ist es dieses Jahr mit dem Master in Friedenswissenschaften zu beginnen.
 
Der nächste Vortrag zum Irak findet am Mittwoch, den  07.03.2018 um 19:30 Uhr im ABC – Aichtaler Bürger Café in der Mehrzweckhalle in Grötzingen statt.

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