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"Ich war schon immer ein Schaffer"

Schuhmacher Erwin Weiler steht mit 90. noch in seiner Werkstatt

Erwin Weiler mit seinen selbstgemachten Schuhen in der Werkstatt. Den linken Schuh hat er für seine Frau gemacht und den rechten für sich
Erwin Weiler mit seinen selbstgemachten Schuhen in der Werkstatt. Den linken Schuh hat er für seine Frau gemacht und den rechten für sich

(tab) Es herrscht reger Betrieb, die Kunden geben sich die Türklinke in die Hand, holen ihre reparierten Stiefel oder Halbschuhe ab. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für ein Schuhgeschäft. Doch der kleine Laden in Aichtal, am Hang bei der evangelischen Kirche in Aich gelegen, ist etwas Besonderes. Ruhig und freundlich bedient Erwin Weiler seine Kunden und das bereits seit 68 Jahren. 1950 hat er die Schusterei von seinem Vater übernommen und ist mit seinen 90 Jahren, sicher einer der ältesten Schuhmacher in der Region. Immer noch rüstig, denkt Weiler nicht ans Aufhören. „Das Laufen fällt mir nicht schwer,“ erzählt der Schuster und freut sich, dass er immer noch gut zu tun hat, denn er war schon immer ein Schaffer. Dabei war Schuhmacher gar nicht sein Wunschberuf, verrät er nebenbei. Trotzdem ist er in die Fußstapfen seines Vaters getreten und hat das 1923 gegründete Geschäft übernommen. Nicht ganz einfach war seine Ausbildung, die er zwar in Nürtingen in einem orthopädischen Schuhgeschäft angefangen hatte, die er aber wegen des Zweiten Weltkrieges unterbrechen musste. Denn mit 16 wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Trotz allem hatte er Glück. Weil er noch Jugendlich war, wurde er im Juli 1945 freigelassen. Zurück daheim unterstützte er seine Mutter und den kranken Vater, half ihnen bei der Landwirtschaft und machte seine Lehre fertig. Noch heute ist Weiler begeistert von seinem damaligen Chef. „Ich habe sehr viel Glück gehabt und sehr viel bei ihm gelernt,“ weiß der Handwerker zu schätzen. Vor allem auch, dass sie damals viele neue Schuhe fertigten und auch neue Techniken anwandten. 16 Stunden dauerte es damals bis ein Paar Schuhe fertig war, erinnert sich der Schuster, allerdings waren die Leiste und der Schaft schon vorgefertigt.

Mit diesen Leisten wurde früher gearbeitet
Mit diesen Leisten wurde früher gearbeitet

Besonders stolz ist Erwin Weiler auf die Schuhe, die er für seine Frau nach der Hochzeit hergestellt hatte. Dieses Paar besitzt sie heute noch und sie sehen nach wie vor gut aus.
Früher wurde der Nähfaden, fachmännisch Draht genannt, mit Pech und Wachs vom Schuhmacher selbst hergestellt, weiß Weiler zu berichten „Wenn man nicht schnell genug war, blieb der Draht stecken, weil das Pech aushärtete und verklebte,“ erklärt Weiler. Heute werden die Schuhe nur noch getackert, bedauert er. Schuhe macht er keine mehr, denn die Materialien seien nicht mehr geeignet, man benötige anderes Leder. Trotzdem repariert er noch gerne, bessert Schuhe aus, erneuert Verschlüsse auch an Handtaschen, fertigt neue Sohlen an. Seiner Ansicht nach sind es vor allem die Sohlen, die die Schuhmacher verzweifeln und ihren Beruf aufgeben lassen. Der Grund sind die Klebemechanismen. „Es gibt rund 90 verschiedene Materialien, aus denen sich die Sohlen zusammensetzen und für alle unterschiedliche Klebstoffe,“ beschreibt Weiler das Problem. Eine große Herausforderung, damit die Sohlen dann auch halten. Herausforderungen sind für ihn als Schuhmacher immer interessant. Gerne nimmt er sich der schwierigen Dinge sofort an, die er noch nicht gemacht hat, überlegt sich eine Lösung, bis er sie gefunden hat.
In seiner Freizeit, war der Schuhmacher auch im Sportverein aktiv, hat zehn Jahre lang beim SV 07 Aich Fußballgespielt und später in der Vereinsführung mitbestimmt, praktisch als Feuerwehrmann als Not am Mann war, wie er es bezeichnet. Den Vergleich mit der Feuerwehr wählt Weiler nicht von ungefähr, denn er war und ist Feuerwehrmann durch und durch und erinnert sich gerne an seine aktive Zeit, die Kameradschaft und die schönen Stunden, die er dort erlebte.
Einen Nachfolger für sein Schuhgeschäft hat Erwin Weiler nicht. Keines seiner drei Kinder hat den Beruf ergriffen. „Auf dem Land hat ein Schuhgeschäft keine Zukunft“, der Lauf der Zeit lasse sich nicht aufhalten, sieht Erwin Weiler realistisch.

Erwin Weiler in seiner Werkstatt
Erwin Weiler in seiner Werkstatt

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