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Die Stadt Aichtal leistet Aufbauhilfe in Thailand

Aus der Nürtinger Zeitung vom 24. Februar 05

Bürgermeister Klaus Herzog opferte einen Teil seines Urlaubs und besuchte vom Tsunami zerstörte Region - PDA ist Partner vor Ort

AICHTAL. Mit über 400 Bildern und einer Fülle an Eindrücken kehrte Klaus Herzog am Dienstag aus Thailand zurück. In Bangkok war Herzog noch bei über 30 Grad im Schatten ins Flugzeug gestiegen und landete hier im tiefsten Winter. „Ich habe ganz schön gefroren.“ Der Bürgermeister der Stadt Aichtal hat einen Teil seines Urlaubs geopfert, um vor Ort mit verlässlichen Partnern über eine gezielte Aufbauhilfe für eine vom Tsunami zerstörte Gemeinde zu verhandeln. Herzog kehrte mit einem guten Gefühl zurück: „Wir können viel bewegen“, zog er in einem Gespräch mit unserer Zeitung ein erstes Resümee.

Anneliese Lieb

Die schrecklichen Bilder vom Seebeben in Südostasien haben auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Aichtal aufgewühlt. Die spontane Bereitschaft, mit Spendengeldern zu helfen, hat Bürgermeister Herzog „kanalisiert“ und vorgeschlagen, ein gezieltes Projekt, beispielsweise den Aufbau einer Schule, zu unterstützen. Als Vorteil hat sich dabei erwiesen, dass in Grötzingen Professor Dr. Franz Heidhues wohnt, Dozent an der Uni Hohenheim und stellvertretender Präsident der Welthungerhilfe. Dr. Heidhues hat über die Welthungerhilfe in Bonn Kontakte mit einer Partnerorganisation in Thailand vermittelt.

Gleich in der ersten Woche seines Urlaubs traf sich Bürgermeister Herzog in Bangkok mit Senator Mechai Viravaidya, dem ehemaligen Wirtschaftsminister Thailands, der heute die regierungsunabhängige Organisation Population and Community Development Association (PDA) leitet. Diese Organisation hat nach dem Seebeben ein Programm entwickelt, um betroffenen Dörfern an der thailändischen Andaman-Küste in den Provinzen Krabi und Phangnga beim Wiederaufbau zu helfen. Der Maßnahmenkatalog hat auch die Welthungerhilfe überzeugt, die mit der PDA eng zusammenarbeitet. „Primäres Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe“, so Klaus Herzog. Der Verwaltungschef aus dem Schwabenland wurde nicht nur im Hauptquartier der PDA in Bangkok von Viravaidya über die Wiederaufbauhilfe informiert, sondern hatte auch in den folgenden Tagen bei Besichtigungstouren in den zerstörten Gebieten Gelegenheit, sich selbst ein Bild von der katastrophalen Situation zu machen. „In den touristisch erschlossenen Regionen hat sich in den zurückliegenden Wochen viel getan. Dort werden schon wieder neue Hotels gebaut. Die Menschen möchten möglichst schnell wieder zur Normalität zurückkehren. Durch das Seebeben haben allein in Phuket 10 000 im Tourismus beschäftigte Menschen ihren Arbeitsplatz verloren.“

Ganz anders dagegen die Situation in den Regionen fernab von den Touristenzielen. „Dort sieht es zum Teil noch schlimm aus“, berichtet Herzog. Die Soforthilfe funktioniere zwar, „die Menschen leben in einfachen, sauberen, barackenähnlichen Sammelunterkünften und haben auch zu essen“, aber bevor die Familien wieder in ihre Dörfer zurückkehren könnten, müssten erst die Häuser wieder aufgebaut werden. Die thailändische Regierung, so hat Herzog erfahren, habe finanzielle Unterstützung für den Bau von Häusern zugesagt. Doch damit sei nur ein Teil der Not gelindert.

Die PDA hat sich mit ihrem Hilfsprogramm auf kleinere Dörfer konzentriert, die im Schatten der Tourismusregionen liegen. „Nach Phuket fließt genügend Geld.“ Die Arbeit der PDA hat Herzog überzeugt. Der Schwerpunkt des Programmes liegt auf der Unterstützung der ärmeren Bevölkerung, die ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Fischfang und Landwirtschaft verdient. Diese Einnahmequellen sind durch die katastrophale Welle am zweiten Weihnachtsfeiertag weitgehend versiegt.

Von Schulmittagessen bis Aufforstung

Von Schulmittagessen bis Aufforstung
Von Schulmittagessen bis Aufforstung

Unterstützt und finanziert werden mit einem Startkapital von etwa 20 000 Euro Schulmittagessen für die Kinder, ein Betrieb, der die Nahrungsmittel für das Schulmittagessen produziert, Lehrmittel für die schulische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen und psychologische Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Dorfbewohner, die keine Arbeit finden und kein Einkommen haben, werden im Dorf mit Säuberungs- oder Reparaturarbeiten beschäftigt und werden je zur Hälfte mit Nahrungsmitteln und Bargeld entlohnt. In der Fischerei beschäftigte Dorfbewohner, die durch den Tsunami ihre Arbeitsgeräte verloren haben, erhalten von der PDA Kleinkredite, damit sie sich wieder Netze und Käfige für die Fischzucht kaufen können. Außerdem erwirbt die PDA Boote, die an Dorfbewohner für den Fischfang vermietet werden. Rückzahlungen gehen direkt an die Dorf-Bank. Auch in die Trinkwassergewinnung und Abwasserbeseitigung oder auch in die Wiederaufforstung wird investiert. Weiterer Teil des PDA-Programmes ist die Wahl eines Jugend-Dorfparlamentes. Junge Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren sollen acht Repräsentanten wählen, die ausgebildet werden, um als Verantwortliche das Programm der PDA zu betreuen. „Ziel ist, die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten langfristig zu verbessern“, berichtet Bürgermeister Herzog. Die PDA ist mit mehreren Helfertrupps unterwegs, um die Dorfbewohner beispielsweise beim Hausbau anzuleiten. Gearbeitet, so Herzogs Eindruck, werde sehr konzentriert: „Jeden Morgen um 7 Uhr war Dienstbesprechung“. Außerdem würden sich einmal in der Woche alle Hilfsorganisationen treffen, um die Zusammenarbeit abzustimmen.

Langfristige Hilfe - das Programm ist auf drei Jahre ausgelegt - hat die PDA bereits in 80 Dörfern auf den Weg gebracht. Ban Thung Khrok ist nun die 81. Gemeinde, die mit finanzieller Unterstützung aus Aichtal von der gezielten Hilfe profitieren soll.

9000 Euro sind bislang in den Aichtaler Spendentopf einbezahlt worden. Der Bürgermeister weiß allerdings, dass etliche Vereine und Organisationen mit unterschiedlichen Aktivitäten zur Erhöhung der Spendensumme beitragen wollen. „Mehrere Zusagen liegen schon vor.“ Nachdem nun feststeht, wo das Geld hinfließen soll, will Klaus Herzog auch bei Firmen die Spendentrommel rühren.

Wer beim Aufbau von Ban Thung Khrok mithelfen möchte, kann seine Spende auf das Konto 100 144 103 bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen (BLZ 611 500 20) mit dem Vermerk „Aichtal hilft“ einzahlen .

Besuch bei der PDA in Bangkok: von links Dr. Frank, PDA-Mitarbeiter aus Deutschland, Direktor Wilas Techo, Senator Mechai Viravaidya, Bürgermeister Herzog und Pairojana, PDA-Vizepräsident.

Das Dorf Ban Thung Khrok liegt in einer Küstenregion fernab von den Touristenzielen Phuket oder Kao Lak.

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