Stadt Aichtal

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Historischer Stadtführer

Grötzingen

Aichtalbrücke
Aichtalbrücke

Aus dem Ortsnamen Grötzingen kann man schließen, dass mit dem alemannischen Sippenführer Gretz spätestens im 7. Jahrhundert eine Siedlung gegründet wurde. Das Urdorf lag bis in das 13. Jahrhundert 2 km nördlicher im Altgrötzinger Tal. König Heinrich IV von Worms erwähnte Grötzingen erstmals in einer Urkunde im Jahr 1075. Darin ging es um die Weinberge in Grötzingen, die dem Kloster Hirsau zustanden. Von einem Dorfadeligen namens Udalricus, Sohn des Rupti, erfahren wir erstmals durch eine Schenkungsurkunde an das Kloster Hirsau aus dem Jahre 1080.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann ein neuer Abschnitt Grötzingens. Diepold von Bernhausen, ein Ritter des Königs Rudolf von Habsburg, baute an der Aich eine Burg und daneben eine Stadt. Sie wurde als Bollwerk und Wehranlage gegen die an Einfluß und Macht gewinnenden Grafen von Württemberg errichtet. Sie war umgeben von einer 2 m dicken, rechtwinklig aufgebauten Mauer, zahlreichen Schießscharten, einem überdachten Wehrgang, 12 Türmen und 2 Eingangstoren. Durch die alte Hauptverbindungsstraße Stuttgart - Grötzingen - Metzingen - Urach hatte die Stadt eine von Nord nach Süd verlaufende Marktstraße. In der Schlacht zwischen König Rudolf und dem Grafen Eberhard von Württemberg am 27.9.1286 fiel Ritter Diepold. Er wurde 1287 vom Priester Ber in der Grötzinger Stadtkirche beigesetzt. Ritter Diepold II, der Sohn des Stadtgründers, verkaufte 1337 die Stadt, Kirche und Einwohner dem Grafen Rudolf von Württemberg für 5000 Pfund Heller. Grötzingen ist ab diesem Zeitpunkt württembergisch.

Pfarrhaus Grötzingen
Pfarrhaus Grötzingen

Die Grötzinger Kirche hatte mehrere Bauabschnitte. So befinden sich im Boden des Kirchenschiffs aus dem 13. Jahrhundert, Fundamente einer Kirche aus dem 9. Jahrhundert. 1460 wurde der Turm abgebrochen und an seiner Stelle der Chor mit Turm angebaut. Zu dieser Zeit wurde auch das Kirchenschiff gotisch umgebaut, wobei große Teile der Freskenmalerei aus dem 14. Jahrhundert zerstört wurden. Vor der Reformation 1534/35 hatte die katholische Kirchengemeinde 4 Pfarrer mit eigenem Haus. Der erste war der Stadtpfarrer mit dem heutigen 1683 umgebauten Pfarrhaus und war Seelsorger für die Bevölkerung. Er unterstand ab 1448 dem Spital Kirchheim, das durch einen Beschluß von Papst Nicolaus die Kirchenrechte in Grötzingen erhält. In diesem Pfarrhaus lebte 1829 Eduard Mörikes Verlobte Luise Rau.

Ein Pfarrer las die Frühmesse am St. Nikolausaltar und hatte sein Pfarrhaus am Kelterplatz. In diesem Haus wurde schon 1420 Latein unterrichtet und wurde 1534 Teutsche Schule. Der dritte Geistliche las seine Messen in der Heiligen Kreuz Kapelle außerhalb der Stadt (Richtung Neckartailfingen). Der vierte Pfarrer predigte am St. Michaelaltar in der Stadtkirche und hatte seine Behausung in der Hindenburgstraße 15. Dieses Gebäude ließ Herzog Christoph 1556 zur Volksschule umbauen. Als Baumaterial wurde die abgebrochene Heilige Kreuz Kapelle verwendet. Als dieses Schulgebäude zu klein war, wurde an das Lehrerwohnhaus von 1558 in der Hindenburgstraße 13 im Jahr 1734 eine Schulstube angebaut.

Stadtmauer
Stadtmauer

Das Wasser wurde in die Planung beim Stadtbau im 13. Jahrhundert mit einbezogen. So schützte die Aich an der West- und Südseite und an der Ostseite der Weiherbach die Stadt vor Fremden und Eindringlingen. Auch die Diepoldsburg außerhalb der Stadt war von einem Wassergraben umgeben. Um die 800 Einwohner und Tiere täglich mit Wasser zu versorgen, auch bei einer längeren Belagerung im Kriegsfall, wurden Röhrenbrunnenschächte gegraben und gemauert. Zur Mühle in der Stadt wurde unterirdisch in einem gemauerten Kanal das Wasser der Aich geleitet. Zur besseren Trinkwasserversorgung wurden hölzerne Rohre (Teichel) aus Altgrötzingen verlegt und somit 3 Brunnen mit Quellwasser versorgt. Zur tödlichen Falle wurden die Brunnenrohre für die Bevölkerung 1572, als sich in ihnen die Ratten aufhielten und viele Bürger an Pest erkrankten. Schlimmer wütete die Pest 1634/35 als 400 Personen starben. An manchen Tagen bis zu 17. Die Toten wurden außerhalb der Stadt begraben, da im Kirchhof kein Platz mehr war.

Ab dem 14. Jahrhundert hatte die Stadt als soziale Einrichtung eine Beginenklause. In ihr wohnten 2 Schwestern, welche die Armen und Kranken versorgten. Zuständig für 53 Orte war die Kleemeisterei in Grötzingen. Deren Aufgabe bestand darin, das durch Seuchen verendete Vieh zu holen und ordnungsgemäß abzudecken. 1775 wird die Kleemeisterei neben dem heutigen Naturtheater neu gebaut. Außerhalb der Stadt gab es noch eine Ziegelei und am Südtor ein Siechenhaus (Seuchen). Wollte jemand Grötzinger Bürger werden, mußte er 1 Woche zur Beobachtung im Siechenhaus wohnen, ehe er in die Stadt gelassen wurde.

Günter Klock

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